Mittwoch, 7. April 2021

SWR Umfrage zur Radnutzung

SWR Umfrage zur Radnutzung




  1.  SWR Aktuell

    SWR-DATENANALYSE ZUR FAHRRADNUTZUNG

  1. Viele Autos - Schlechte Wege - Radler fühlen sich oft unsicher
Stand 4.4.2021, 12:43 UHR

Deutschland ist keine Fahrradfahrnation. 40 Prozent sind nie mit dem Rad unterwegs. Und denen, die es sind, ist nicht immer wohl dabei. Dabei haben die Menschen konkrete Ideen, wie ihnen mehr Lust aufs Rad gemacht werden könnte.

Mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland gehen als richtige Fahrradmuffel durch. Sie steigen nie bis selten auf das Fahrrad. Das ergibt eine aktuelle, repräsentative Umfrage, die das Berliner Umfrageinstitut Infratest Dimap im Auftrag des SWR in Deutschland durchgeführt hat. Nur für jeden Zehnten ist das Fahrrad demnach täglicher Begleiter, knapp ein Drittel steigt zumindest mehrmals im Monat aufs Rad.

Vor allem Senioren meiden das Fahrrad

Teils große Unterschiede gibt es hinsichtlich des Alters: So sind die aktivsten Radfahrer in der mittleren Altersgruppe zu finden. Fast zwei Drittel aller Senioren gaben an, niemals Rad zu fahren. Geht man nach Geschlechtern, zeigen sich Männer etwas aktiver als Frauen. Bei der Parteipräferenz führen nicht etwa Anhänger der Grünen, sondern der Linken knapp die Liste an.

Corona wirkt sich wenig auf den Radverkehr aus

Weniger Aufschwung als vielleicht vermutet hat die Corona-Pandemie bislang dem Radverkehr gebracht. Zwar gab fast jeder Zehnte an, seit dem Beginn der Pandemie häufiger aufs Rad zu steigen. Genauso viele Menschen sagten aber, das Fahrrad nun weniger zu nutzen. Für den Rest änderte sich nicht viel. Zu den Gruppen, die am ehesten aufs Rad umstiegen, zählen beispielsweise die Jüngeren. Unter denen, die im Gegensatz dazu vom Rad eher auf andere Verkehrsmittel umstiegen, fanden sich überdurchschnittlich viele FDP-Anhänger.

Nach dem Ende der Pandemie wollen fast 80 Prozent ihr aktuelles Radfahrverhalten beibehalten. Auffällig ist: Menschen die seit Corona mehr Fahrrad fahren, wollen auch nach dem Ende der Pandemie überdurchschnittlich oft weiter in die Pedale treten. Diejenigen, die aktuell nicht so viel Fahrrad fahren, wollen das nach dem Ende der Pandemie wieder ändern.

40 Prozent glauben, die Politik sollte mehr für Radler tun

Könnte die Politik mehr für die Radfahrer tun? Davon sind vor allem die Vielfahrer überzeugt und jene, die seit Corona aufs Rad umgestiegen sind. Insgesamt gaben vier von zehn Umfrageteilnehmern an, dass von Seiten der Politik zu wenig unternommen werde, um den Radverkehr zu fördern. Vor allem AfD- und FDP-Anhänger, sowie Menschen, die selbst nie aufs Rad steigen, sind hingegen überdurchschnittlich oft der Meinung, dass die Politik zu viel für die Radfahrer tue.

Autos führen bei vielen zu Unsicherheit auf dem Rad

Gründe für die Menschen, das Rad doch eher stehen zu lassen, gibt es mehrere. Das größte Ärgernis sind laut Umfrage aber die Autos: 39 Prozent aller Befragten gaben an, sich wegen der vielen Autos auf dem Rad unsicher zu fühlen. Mehr als jeder Dritte ärgert sich zudem darüber, dass es keine ausreichenden Möglichkeiten gebe, um das Fahrrad sicher abzustellen. Über eine unübersichtliche Radwegeführung beschwert sich ebenfalls mehr als ein Drittel. Besonders genervt davon fühlen sich Jüngere, Menschen mit höherem Schulabschluss, Anhänger der Grünen und Einwohner von Großstädten.

Ein Anreiz, um häufiger aufs Fahrrad zu steigen, wären besser ausgebaute Radwege. 38 Prozent würden dann nach eigener Aussage das Fortbewegungsmittel eher wechseln. Noch höher liegt die Zahl beispielsweise bei Jüngeren, Menschen aus dem Osten Deutschlands und denen, die sowieso schon regelmäßig Fahrrad fahren.

76 Prozent der Vielfahrer sind auch der Meinung, dass Schnellradwege wichtig für ein gutes Radwegenetz sind. Dieser Meinung sind auch sechs von zehn Erwerbstätigen. Im Bundesdurchschnitt sehen das nur 54 Prozent so.

Baden-württembergischer Verkehrsminister sieht Aufforderung an die Politik

Der baden-württembergische Minister für Verkehr Winfried Hermann teilte mit: "Auch, wenn die Umfrage keine spezifischen Zahlen für Baden-Württemberg liefert, belegt sie, dass eine bessere Radverkehrsinfrastruktur zentral ist, damit mehr Menschen Fahrrad fahren und sich dabei sicher fühlen."

Die Umfrage sei eine Aufforderung an die Politik, in den kommenden Jahren noch mehr zu investieren und mehr sichere Radwege zu schaffen.

Auch ADAC und ADFC sehen Nachholbedarf bei Rad-Infrastruktur

Die Ergebnisse der SWR-Umfrage decken sich mit den Erfahrungen des Automobil-Clubs ADAC. Dort weiß man um die diversen "Baustellen" auf dem Gebiet. "Auch nach den Erkenntnissen des ADAC fühlen sich Fahrradfahrer im Straßenverkehr oftmals unsicher", kommentiert der Bundesverband die Ergebnisse der Umfrage. Man halte "deshalb den Ausbau der Rad-Infrastruktur in den Städten und auf dem Land für wichtig, um vor allem Lücken im Fahrradwegenetz zu schließen und dadurch die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern."

Dienstag, 23. März 2021

Leserbrief zur Auszeichnung von Karlsruhe Fahrrad-Klima-Test des ADFC in den BNN vom 24.03.2021

Leserbrief zur Auszeichnung im Fahrrad-Klima-Test des ADFC in den BNN vom 24.03.2021


Fahrradklima ist nicht überall gut

Heiner Lichti Karlsruhe-Durlach    BNN 24.03.21


Nachholbedarf: Heiner Lichti findet, dass es gerade in Durlach, wie hier in der Badener Straße, für Radfahrer noch zu viele gefährliche Stellen gibt. Dies gebe die Auszeichnung der Stadt beim ADFC-Fahrradklimatest nicht wider.Foto: Jörg Donecker

Zur Auszeichnung Karlsruhes beim Fahrradklimatest des ADFC:

Karlsruhe wurde der Titel der fahrradfreundlichsten Großstadt in der Kategorie der Großstädte zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern vor dem Dauerrivalen Münster für das Jahr 2020 verliehen. Die Gesamtnote von 3,07, – also befriedigend – kann man aber nur als außerordentlich mäßig bezeichnen. Einer Vielzahl von Abiturienten wäre mit dieser Benotung der Weg zum Studium versperrt. Eine noch schlechtere Note wäre angemessen gewesen, denn offenbar haben die Juroren nur die Kernstadt beurteilt, nicht aber die Stadtteile, insbesondere nicht den größten von ihnen mit über 30.000 Einwohnern, nämlich Durlach. Dieser Stadtteil besitzt drei große Verkehrsachsen, im Süden die Badener Straße (B3), die Pfinztalstraße und im Norden die Pfinzstraße. Alle führen im wesentlichen parallel von Nordost nach Südwest und erschließen dem Radfahrer den alten Stadtkern.

Man kann keinem Radfahrer empfehlen, die Badener Straße im Bereich Durlach zu benutzen, denn sie ist wegen parkender Autos und des Durchgangsverkehrs einschließlich schwerer Lkw und Omnibusse lebensgefährlich. Einen Radweg gibt es nicht und den an sich ausreichend breiten und von Fußgängern kaum benutzten Fußweg an der Schlossgartenmauer darf man nicht befahren. Die Pfinztalstraße, Haupteinkaufsstraße von Durlach, ist für Fahrradfahrer weitgehend gesperrt, die Fußwege dürfen nur schiebend benutzt werden. Die Straße ist im Übrigen wegen der Straßenbahngleise, die die Straße mit den Straßenbahnwagen und streckenweise auch Autos ausfüllen, ebenfalls hochgefährlich. Auch wachen hier die Ordnungskräfte streng darüber, dass man als Radfahrer nicht die Fußwege benutzt, die allerdings an vielen Stellen ohnehin durch das Garten-Mobiliar der Gastronomie und Eisdielen blockiert sind. Auch die Pfinzstraße ist als Umgehungsstraße stark von Verkehr belastet, weist keinen Radweg auf und ist seit circa zwei Jahren wegen einer Großbaustelle nur einseitig befahrbar. Selbst in einem Spielstraßenabschnitt der Marstallstraße muss man dem Radfahrer anraten, abzusteigen und zu schieben, nicht etwa weil dort Kinder spielten, sondern weil die Fußgänger nicht die beiderseits vorhandenen breiten Fußwege benutzen, da sie mit Handy oder Smartphone am Ohr auf der Straße bummeln oder sie überqueren oder Fußgängergruppen mitten auf der Straße im Plausch versunken sind.

Der einzige mir bekannte Radweg findet sich in der alten Weingartener Straße im Bereich des Turmbergbades, wo außer im Sommer kaum ein Radfahrer hinkommt. Nicht verschweigen will ich den Radweg auf der Durlacher Allee, der den Fahrradverkehr von der westlichen Peripherie Durlachs an die City anbindet, für den innerstädtischen Verkehr allerdings keine Bedeutung hat.

Hätten die AFDC-Juroren auch Durlach näher ins Visier genommen, wäre die Beurteilung wesentlich schlechter ausgefallen. Auch hier wird die Mutter von ihrer großen Tochter wieder einmal stiefmütterlich behandelt.

Zum Schluss wohlgemerkt: Ich bin überwiegend Fußgänger mit Gehstock, meine Frau aber tätigt sämtliche Einkäufe in Durlach und Karlsruhe mit dem Rad.


Meine Anmerkung zum Leserbrief von Heiner Lichti:

Durlach ist zwar die Mutter von Karlsruhe, aber bei diesem Klimatest wurde Durlach nicht stiefmütterlich von der Tochter Karlsruhe oder von Juroren des ADFC behandelt. Entschieden haben nämlich nicht ein Gremium von Juroren sondern ganz unabhängig und unbeeinflusst diejenigen, die mit dem Fahrrad überall im ganzen Stadtgebiet mit allen Stadtteilen, auch in Durlach, unterwegs sind. Das gibt dann natürlich nur ein Gesamtbild über die ganze Stadt und nicht für einzelne Stadtteile. Nach diesen wurde im Fragebogen auch nicht unterschieden. Jetzt geht es für Karlsruhe darum, überall dort besser zu werden, wo es an Qualität mangelt, also auch in Durlach.
(Anmerkung von Cornelius)


Montag, 22. März 2021

ADFC fordert Kommunen nach Fahrradklimatest zum Handeln auf. BNN vom 23.03.2021

ADFC fordert Kommunen nach Fahrradklimatest zum Handeln auf. 


Fördertöpfe sollen geleert werden

Von unserem Redaktionsmitglied 

Ekart Kinkel, BNN 23.03.21


Viel Platz: In Karlsruhe fahren immer mehr Leute Rad. Und die brauchen wie hier bei einer Critical-Mass-Fahrt mehr und breitere Radwege. Archivfoto: Jörg Donecker

Das Karlsruher Radwegenetz kann nach Einschätzung des baden-württembergischen ADFC als Vorbild für andere Kommunen dienen. „Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren systematisch eine Infrastruktur für Radfahrer aufgebaut und dafür auch Autofahrbahnen in Radfahrspuren umgewandelt. Das wird von den Radfahrern honoriert“, sagt Gudrun Zühlke. Nach Einschätzung der baden-württembergischen Landesvorsitzenden der Radfahrerinteressenvereinigung war das gute Radwegenetz auch ausschlaggebend für Karlsruhes erfolgreiche Verteidigung des Titels der fahrradfreundlichsten Großstadt Deutschlands.
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Wenn der Klassenbeste eine Drei minus erhält, kann niemand zufrieden sein.
Gudrun Zühlke ADFC
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Allerdings haben auch die Karlsruher Radverkehrsplaner nicht schnell genug auf die stetig wachsende Zahl von Radfahrern in der Stadt reagiert. Zu schmale Radwege und zu wenige Abstellmöglichkeiten haben eine bessere Bewertung verhindert. Beim Fahrradklimatest des ADFC erhielt die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands lediglich die Durchschnittsnote 3,07.

„Wenn der Klassenbeste eine Drei minus erhält, kann eigentlich niemand so richtig zufrieden sein“, so Zühlke. Deshalb sollten die Kommunen die Ergebnisse des Fahrradklimatests ernst nehmen und die Weichen für eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur stellen. Unterdurchschnittliche Noten erhielten fast alle baden-württembergische Städte bei der Ampelschaltung für den Radverkehr oder bei der Verkehrsführung an Baustellen.

Alleine in Baden-Württemberg haben sich über 26.000 Menschen am Klimatest beteiligt. Das war ebenso ein Rekordergebnis wie die 164 Kommunen, die von den Radfahrern bewertet wurden. 2018 schafften es landesweit 108 Kommunen in die Wertung. 2012 waren es nur 43. Außer Karlsruhe gelang allerdings nur Freiburg, Heidelberg, Konstanz und Rutesheim (alle Dritter in ihrer jeweiligen Kategorie) der Sprung aufs Siegertreppchen. „Da ist noch viel Luft nach oben. Denn wenn die Menschen ihre Autos stehen lassen und aufs Rad umsteigen, haben schließlich alle Bürger etwas davon“, so Zühlke. Deshalb sollten die Kommunen zügig handeln. Die Fördertöpfe für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur seien prall gefüllt und müssten lediglich abgerufen werden.

Von der Landesregierung fordert der ADFC die Zielvorgaben für die Förderung des Radverkehrs in einem speziellen Gesetz zu bündeln. „Radverkehrsförderung ist ein übergreifendes Thema“, so Zühlke. „Aber in manchen Ministerien findet es immer noch nicht statt“. Das Wirtschaftsministerium etwa müsse sich künftig verstärkt um die Förderung von Radfahrern im Kontext der betrieblichen Mobilität kümmern.


Mittwoch, 17. März 2021

Fahrradstadt Nr. 1 ist Karlsruhe 2021 zum zweiten Mal

Fahrradstadt Nr. 1 ist Karlsruhe 2021 zum zweiten Mal

2019 hat Karlsruhe Münster als Fahrradhauptstadt abgelöst. Das war Ansporn, diesen Platz auch zu verteidigen. Und so stehen wir auch 2021 ganz oben. Mit 2.682, die am Fahrrad-Klima-Test mit gewertet haben, liegt Karlsruhe ebenso an der Spitze. Das zeigt, dass Karlsruhe wirklich eine Fahrradstadt ist. Das dafür die Note 3,07 reichte, also "befriedigend", ist aber auch der Ansporn, dass da noch einige Luft nach oben ist, nicht nur für Karlsruhe sondern vor allem auch für alle anderen Städte. Denn der Notendurchschnitt aller bewerteten Städte mit vergleichbarer Größe lag bei magerem "ausreichend" (4,01).

Hier jetzt der Bericht in den BNN vom 17.03.2021

Radwege hui, Ampeln pfui

BNN 17.03.21
So haben Radler die Stadt bewertet / ADFC sieht bei der Infrastruktur noch viele Baustellen

Von unserem Redaktionsmitglied

 

Ekart Kinkel

Es läuft größtenteils rund: Karlsruhe ist zum zweiten Mal in Folge als fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands ausgezeichnet worden. Doch nicht in allen Bereichen geben die Karlsruher Radler der Stadt gute Noten. Foto: Rake Hora

Und der Gewinner ist... Karlsruhe. Zum zweiten Mal in Folge hat sich die Fächerstadt beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (AFDC) den Titel der fahrradfreundlichsten Großstadt Deutschlands gesichert. Das hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz in Berlin verkündet. 

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Es wurden etliche Verbesserungen umgesetzt.
Ulrich Eilmann Vorsitzender ADFC Karlsruhe
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Wie bereits vor zwei Jahren verwies die badische Metropole in der Kategorie der Städte zwischen 200.000 und 500.000Einwohnern den Dauerrivalen Münster auf Platz zwei. Dahinter landete Freiburg. Auch von allen Städten über 100.000 Einwohnern erhielt Karlsruhe von den Radfahrern die besten Noten. 

„In den vergangenen Jahren hat die Stadtverwaltung gut mit den Radfahrern zusammengearbeitet. Dabei wurden etliche Verbesserungen umgesetzt und das hat sich nun erneut ausgezahlt“, sagt Ulrich Eilmann, Vorsitzender des Karlsruher Kreisverbands des ADFC. Trotzdem ist die erfolgreiche Titelverteidigung für Eilmann kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. „Mit einer Bewertung, die schlechter ist als die Schulnote befriedigend, kann eigentlich niemand ernsthaft zufrieden sein.“ 

Andere Großstädte hätten aber offenbar noch größere Probleme beim Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur und deshalb lag Karlsruhe mit einer Gesamtnote von 3,07 deutlich über dem Durchschnittswert von 4,01 der Städte vergleichbarer Größe. 

Bestnoten erhielten in Karlsruhe die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (1,9) und das Radwegenetz (2,1). Am schlechtesten von den Klimatest-Teilnehmern bewertet wurde die Verkehrsführung an Baustellen (4,1), die vielen geklauten Fahrräder (4,2) und die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen (4,3).

Allerdings schnitt Karlsruhe in sämtlichen Kategorien besser ab als der Mittelwert aller 26 Vergleichsstädte. Außerdem wurde Karlsruhe in allen Kategorien ähnlich bewertet wie beim Klimatest 2018, als das Oberzentrum zwischen Schwarzwald und Rhein eine Durchschnittsnote von 3,15 erhielt und sich erstmals mit dem Titel der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands schmücken durfte. Im Vergleich zu 2016, als sich Karlsruhe (3,09) hinter Münster (3,07) noch mit Platz zwei begnügen musste, ist vor allem die Zufriedenheit der Teilnehmer mit der Fahrradförderung von 3,7 auf 2,8 deutlich gestiegen. 

Beim ersten Fahrradklima-Test 2005 hatte die Fächerstadt mit einer Durchschnittsnote von 3,66 den zehnten Rang belegt. In der darauffolgenden Auflage 2012 gelang mit einer Note von 3,18 hinter Freiburg und Münster erstmals der Sprung aufs Siegertreppchen. 

2014 errang Karlsruhe (3,21) als Zweiter hinter Münster den inoffiziellen Titel der „fahrradfreundlichsten Stadt Süddeutschlands“. 

Herausragend waren 2020 die 2.682Klimatests-Teilnehmer in Karlsruhe. Das waren deutlich mehr als in den Jahren 2018 (1.899) und 2016 (1.384) sowie bei den beiden anderen Podiums-Städten Münster (1.450) und Freiburg (798). „Das zeigt ganz klar, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel in Karlsruhe immer mehr an Bedeutung gewinnt“, betont Eilmann. Deshalb solle die Stadtverwaltung die Bedürfnisse der Radfahrer weiterhin ernst nehmen und mit dem Ausbau einer nachhaltigen Infrastruktur die Weichen für eine Erhöhung des Modal Split sorgen. 

Nachholbedarf besteht nach Einschätzung der Testteilnehmer bei den Themenfeldern Sicherheit (3,6), Komfort (3,5), Ampelschaltungen (3,9) und Abstellanlagen (3,6). „Nur Felgenkiller aufzustellen, hilft aber nicht weiter. Es braucht auch in der Innenstadt Leuchtturmprojekte wie die Abstellanlage am Hauptbahnhof“, fordert Eilmann.

Keine guten Noten gab es außerdem für das Fahren im Mischverkehr (3,6) und die daraus resultierenden Konflikte mit Autofahrern (3,9) und Fußgängern (3,3). „Die Kommunalpolitik hat immer noch massive Probleme damit, den Autoverkehr etwas zu beschneiden“, kritisiert auch Eilmann. Sobald Radler auf schmalen provisorischen Fahrradstreifen neben dem fließenden Autoverkehr fahren müssten, seien Probleme programmiert und Unfälle lediglich eine Frage der Zeit. Selbst die Sophienstraße werde trotz ihrer Ausweisung als Fahrradstraße wegen der vielen fahrenden und parkenden Autos von vielen Radlern als potenzielles Sicherheitsrisiko eingestuft. 

Einen Freibrief möchte Eilmann den Radlern allerdings auch in der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands nicht ausstellen. In der Südlichen Waldstraße und rund um den Ludwigsplatz sollen nach seiner Einschätzung nämlich die Fußgänger den Ton angeben. Um den Dauerkonflikt zwischen Fußgängern und Radlern zu entschärfen, schlägt er die Einrichtung einer Radroute über die östliche Sophienstraße und die Herrenstraße auf die Erbprinzenstraße vor. 

2.682

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
beteiligten sich 
im vergangenen Jahr in Karlsruhe 
an dem Fahrradklima-Test.


Es hat sich auch das Umland beteiligt. Hier der BNN-Bericht für das Umland, da sieht es sehr durchwachsen aus:

Radler vergeben nicht nur gute Noten

Gemeinden in Baden schneiden beim ADFC-Fahrradklima-Test ganz unterschiedlich ab


Mit dem Rad einmal quer durch die ganze Region: Beim ADFC-Fahrradklima-Test haben die badischen Gemeinden sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Nicht alle erhielten gute Noten.Foto: Rake Hora

Karlsruhe. Für den Enzkreis war es eine Premiere – allerdings nicht unbedingt eine erfreuliche. Zum ersten Mal haben es mit Friolzheim, Remchingen, Mühlacker und Maulbronn gleich vier Enzkreis-Gemeinden in die Auswertung des ADFC-Fahrradklima-Tests geschafft. Ihre Noten geben allerdings wenig Anlass zur Freude.

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Das waren jetzt vier Jahre, in denen kein Meter Radweg gebaut wurde.
Wolfgang Haas ADFC Kreisverband Pforzheim/ Enzkreis

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Alle zwei Jahre ermittelt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die Fahrradfreundlichkeit der deutschen Städte und Gemeinden. Dafür bewerten die Menschen vor Ort mittels Fragebogen, wie sicher sie sich auf dem Fahrrad fühlen, wie gut die Radwege ausgebaut sind oder wie streng Gemeinden gegen Falschparker vorgehen. Der Test wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert. Die teilnehmenden Gemeinden werden jeweils mit anderen Orten ähnlicher Größe verglichen.

Karlsruhe hat mit 3,07 zum zweiten Mal in Folge die beste Gesamtnote aller Großstädte eingefahren. In der Fläche ist es um die Fahrradfreundlichkeit aber zum Teil deutlich schlechter bestellt.

So ist der Enzkreis zwar zum ersten Mal kein weißer Fleck mehr in der Auswertung, dafür dominiert dort die Farbe Rot. Maulbronn beispielsweise landet mit einer Gesamtnote von 4,28 auf Platz 369 von 418 Gemeinden vergleichbarer Größe. Absolutes Schlusslicht in der Region ist wie bereits in den Vorjahren Pforzheim mit einer Note von 4,61. Im Vergleich zum Test 2018 hat sich die Stadt sogar leicht verschlechtert. Wolfgang Haas, Sprecher des ADFC-Kreisverbands Pforzheim/Enzkreis, ist nicht überrascht: „Das war zu erwarten, nachdem in Pforzheim zuletzt so gut wie gar nichts passiert ist. Das waren jetzt vier Jahre, in denen kein Meter Radweg gebaut wurde.“ Da müsse sich niemand wundern, wenn das unter den Großstädten im Land wieder den letzten Platz bedeutet. Ähnlich sieht die Lage in Bretten aus, der Gemeinde mit dem zweitschlechtesten Ergebnis in der Region. Die Stadt, in der sich erst vor wenigen Monaten eine eigene ADFC-Ortsgruppe gegründet hatte, landete mit einer Note von 4,36 auf Platz 376 von 415 in ihrer Referenzgruppe.

Allerdings ist es das übliche Los kleinerer Gemeinden, deutlich schlechter abzuschneiden als die klassischen Fahrradstädte wie Karlsruhe, Münster oder Bremen. Weil sich in kleinen Orten weniger Menschen an der Umfrage beteiligen, gelten nur die Mittelwerte der größeren Städte als repräsentativ. Jeweils 50 Menschen mussten mindestens mitmachen, damit die kleineren Orte es in die Auswertung schafften. So wurden 418 Gemeinden in das Ranking der Orte mit weniger als 20.000 Einwohnern aufgenommen und 415 in die Liste der Orte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern. Darunter sind durchaus auch regionale Vorreiter.

So nimmt etwa Stutensee den 15. Platz in der Gruppe der Gemeinden mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern ein. In Baden-Württemberg ist keine Stadt vergleichbarer Größe besser. Direkt dahinter folgt Ettlingen, das sich mit seiner jetzigen Note von 3,28 um einige Nachkommastellen verbessern konnte. Besonders beim Angebot öffentlicher Fahrräder konnte Ettlingen Punkte sammeln. 

Bühl, Kehl, Rheinstetten, Rastatt und Bruchsal landen in dieser Vergleichsgruppe im Mittelfeld. Gaggenau, Achern und Waghäusel finden sich mit Bretten auf den hinteren Plätzen wieder. Achern hat sich im Vergleich zu 2018 sogar deutlich verschlechtert. Aufgrund der geringen Beteiligung der Acherner – insgesamt haben 126 Bürger am Fahrradklima-Test teilgenommen – ließen sich aber nur schwer fundierte Rückschlüsse auf die Radfahrbedingungen der Stadt ziehen, erklärt Oberbürgermeister Klaus Muttach. „Die Stadt Achern wird die Infrastruktur für Radfahrer weiter ausbauen und damit den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg mit dem Bau zahlreicher Radwege fortsetzen“, so Muttach.

In der Gruppe der kleinsten Gemeinden haben Sasbach (3,12) und Ötigheim (3,17) erfolgreich abgeschnitten. Ötigheim ist zum ersten Mal im Ranking vertreten und punktet auf Platz 25 von 418 vor allem mit der Erreichbarkeit im Zentrum und dem zügigen Radfahren.

Walzbachtal landet mit Platz 212 in der kleinsten Ortsgröße lediglich im Mittelfeld der Umfrage, Bürgermeister Timur Özcan begreift das jedoch vor allem als Chance. „Uns gibt das eine wichtige Orientierung und es zeigt, dass wir noch viel Potenzial haben. Die Bedeutung des Radverkehrs wird künftig auch bei uns zunehmen, er ist Teil der Verkehrs- und Klimawende.“

Weit hinten landeten in dieser Vergleichsgruppe Kuppenheim, Malsch und Gernsbach. Am stärksten verschlechtert hat sich Appenweier, das von der Note 3,44 vor zwei Jahren auf jetzt 3,96 abgerutscht ist.

Die Autoren

Julia Weller, Holger Keller, René Ronge, Julian Meier und Gundi Woll.

Rangliste:

Platzierungen in der Region:

200.000 bis 500.000 Einwohner (insgesamt 26 Orte): Karlsruhe 3,07 (Platz 1).

100.000 bis 200.000 Einwohner (insgesamt 41 Orte): Pforzheim 4,61 (Platz 38).

50.000 bis 100.000 Einwohner (insgesamt 110 Orte): Offenburg 3,64 (Platz 19), Baden-Baden 3,93 (Platz 44).

20.000 bis 50.000 Einwohner (insgesamt 415 Orte): Stutensee 3,26 (Platz 15), Ettlingen 3,28 (Platz 16), Bühl 3,47 (Platz 41), Kehl 3,66 (Platz 93), Rheinstetten 3,66 (Platz 95), Rastatt 3,81 (Platz 156), Bruchsal 3,86 (Platz 182), Gaggenau 3,95 (Platz 224), Achern 3,96 (Platz 233), Waghäusel 3,99 (Platz 241), Bretten 4,36 (Platz 376).

Unter 20.000 Einwohner (insgesamt 418 Orte): Sasbach 3,12 (Platz 22), Ötigheim 3,17 (Platz 25), Sinzheim 3,52 (Platz 88), Durmersheim 3,73 (Platz 158), Pfinztal 3,81 (Platz 184), Walzbachtal 3,87 (Platz 212), Friolzheim 3,92 (Platz 235), Bad Schönborn 3,93 (Platz 237), Appenweier 3,96 (Platz 247), Kuppenheim 4,13 (Platz 322), Malsch 4,25 (Platz 359), Gernsbach 4,31 (Platz 376).juwel


Freitag, 12. März 2021

Mehr Fahrradabstellanlagen in der Stadt schaffen ! Pressemeldung der Grünen am 12.03.2021

 Mehr Fahrradabstellanlagen in der Stadt schaffen !

Grüne Fraktion sieht Chance für rasche Umsetzung durch Landesförderung
Die Grüne Fraktion beantragt, fünf bis zehn Prozent der KfZ-Stellplätze in Karlsruhe in Fahrradabstellplätze umzuwandeln.
„Ein Kfz-Stellplatz eröffnet Raum für ca. acht Fahrradstellplätze. Hier kann durch die Umverteilung von wenig Fläche im öffentlichen Raum ein deutlicher Schritt zur Radverkehrsförderung in den Quartieren gemacht werden“, so Aljoscha Löffler, Fraktionsvorsitzender der Grünen. „Wenn die Stadt noch in diesem Jahr eine finanzielle Förderung beantragt, dann finanzieren Land und Bund 90 % der Kosten. Diese Chance darf sich Karlsruhe nicht entgehen lassen.“
Eine rasche Umsetzung ist nicht nur aus Klimaschutzgründen wünschenswert. In vielen Stadtteilen Karlsruhes mit Mehrfamilienhäusern haben die Bürger*innen keine andere Möglichkeit, als ihre Fahrräder auf den Gehwegen abzustellen. Dadurch wird der Erfolg des Fairen Parkens buchstäblich geschmälert, weil die verbleibende Breite auf den Gehwegen nicht mehr der eigentlich geforderten Mindestbreite von 1,60 m entspricht.
„Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder Kinderwagen sowie sehbehinderte Menschen stellt dies oft vor Probleme“, so Verena Anlauf, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion. „Wir fordern daher, dass die Stadt bei der Planung neuer Fahrradabstellplätze Interessensvertreter*innen wie z.B. den Beirat für Menschen mit Behinderung oder das Kinderbüro sowie die Bürger*innen vor Ort einbezieht.“
Mehr Radabstellanlagen fördern nicht nur das Radfahren, sondern reduzieren Konflikte mit Fußgänger*innen und ermöglichen ein komfortables Zu-Fuß-Gehen.



Montag, 15. Februar 2021

Die Elektrifizierung des Verkehrs ist schon erfolgt

 

BNN-Artikel vom 15.02.2021

Die Elektrifizierung des Verkehrs ist schon erfolgt

Verkehrswissenschaftlerin Angela Francke ist die erste Radprofessorin in der Geschichte der Karlsruher Hochschulen

Multimodal: Ein funktionierendes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer ist für Radprofessorin Angela Francke ein wichtiger Baustein bei der Förderung des Radverkehrs.Archivfoto: Jörg Donecker

Am 1. März tritt Angela Francke ihre neue Stelle als Stiftungsprofessorin für Radverkehr an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft an. Die geborene Dresdnerin (Foto: Angela Francke) bekleidet eine der sieben Radprofessuren, die vom Bundesverkehrsministerium zur Erforschung und zur Weiterentwicklung des Radverkehrs gefördert werden. Mit BNN-Redakteur Ekart Kinkel hat sich die promovierte Verkehrswissenschaftlerin über ihre Ziele und Vorstellungen unterhalten.

BNN: Liebe Frau Francke. Glückwunsch zur neuen Stelle. Waren Sie eigentlich schon einmal in Karlsruhe?

Francke: Vielen Dank! Ich war schon mehrmals dort und bin mit dem Fahrrad durch die Stadt geradelt. Ich war regelrecht begeistert von der Fülle an Fahrradstraßen und den vielen Abstellmöglichkeiten. Man merkt sehr schnell, dass Karlsruhe eine Fahrradstadt ist. Das hat mich positiv beeindruckt.

BNN: Beim Fahrradklimatest des ADFC will Karlsruhe im März seinen Titel als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands verteidigen. Wenn man genauer hinsieht, merkt man aber, dass selbst die fahrradfreundlichen Städte nur mäßige Noten erhalten werden. Woran liegt das?

Francke: Bei solchen Rankings gewinnt wohl eher die am wenigsten fahrradunfreundliche Stadt. In vielen Städten herrscht beim Fahrradverkehr noch sehr viel Nachholbedarf. Ein zusammenhängendes Radwegenetz ist da eine Grundvoraussetzung für eine Fahrradstadt. Ich habe aber gesehen, dass das Fahrrad in Karlsruhe eine große Rolle spielt. Selbst bei fünf Grad Celsius im Regen sind hier viele Radfahrende unterwegs. Da merkt man schnell, dass das Fahrrad hier bei jedem Wetter als Verkehrsmittel gern genutzt wird.

BNN: Was hat Sie eigentlich zu der Bewerbung als Radprofessorin bewogen?

Francke: Ich möchte den Radverkehr in Deutschland weiterbringen, und dabei das Fahrrad im Zusammenspiel aller Verkehrsteilnehmenden betrachten. Wir sind schließlich nicht nur Radfahrende, sondern nutzen auch den öffentlichen Nahverkehr oder fahren gelegentlich mit dem Auto. Dieser multimodale Ansatz ist mir wichtig. Außerdem möchte ich gern zeigen, dass das Fahrrad ein Verkehrsmittel der Zukunft ist und sich Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur lohnen. Dafür brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte in Verwaltungen und Ingenieurbüros, die Umplanungen und Neuplanungen vorantreiben können.

BNN: Wurde das Thema Radverkehr in der akademischen Ausbildung bislang vernachlässigt?

Francke: Radverkehr war an Hochschulen bisher eher als Nische vorhanden. Nun bekommt es einen deutlich höheren Stellenwert, sodass wir den Radverkehr in der Ausbildung fest verankern können. Den Nationalen Radverkehrsplan der Bundesregierung gibt es schon seit vielen Jahren. Die sieben neuen Radprofessuren sind jetzt der nächste Schritt.

BNN: Warum sollen die Leute in der Stadt überhaupt Fahrrad fahren?

Francke: In der Stadt ist das Fahrrad bei Wegen bis circa fünf Kilometern das beste Verkehrsmittel. Es ist schnell, flexibel, günstig, gesund und umweltfreundlich. Dabei ist mir der Nachhaltigkeitsgedanke besonders wichtig.

BNN: Und wie kann der Radverkehrsanteil mit machbaren Mitteln in urbanen Ballungsräumen künftig erhöht werden?

Francke: Ein Ziel ist eine mitwachsende Infrastruktur. Bei Um- und Neubauprojekten muss stärker an den Radverkehr gedacht werden. Momentan ist es häufig so, dass der Radverkehr eher Restflächen bekommt. Das kann man auch umdrehen. Infrastruktur hat hier auch eine Signalwirkung. Auch Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, da dadurch die Wahrnehmung für den Radverkehr gestärkt wird.

BNN: Die Pläne für den Ausbau der Radinfrastruktur sind in Karlsruhe schon vorhanden. Trotzdem ist bei der Planung von neuen Radfahrrouten immer wieder auch von der Verdrängung des Autoverkehrs die Rede. Wie kann man in diesem Konfliktfeld für Entspannung sorgen?

Francke: In den vergangenen Jahrzehnten gab es eine stark autozentrierte Planung. In den 1960er und 1970er Jahren wurden ganze Straßenzüge weggerissen, um Zufahrtsstraßen in Innenstädte zu schaffen. Dieser Ansatz ist mittlerweile überholt. Der Platz in den Innenstädten ist begrenzt, sodass nur eine gemeinsame Planung für alle Verkehrsteilnehmenden sinnvoll ist.

BNN: Was bedeutet das konkret für den Autoverkehr?

Francke: Für jeden Weg gibt es ein ideales Verkehrsmittel, und das kann für manche Ziele auch weiterhin das Auto sein. Das heißt nicht, dass jeder deswegen ein Auto besitzen muss. Wichtig ist, dass es Alternativen zum eigenen Pkw gibt. Da geht es auch um ökologische und ökonomische Gesichtspunkte.

BNN: Karlsruhe ist mit seiner ebenen Topografie ideal für den Radverkehr geeignet. Wie schaut es aber in ländlichen und hügeligen Regionen aus? Muss man da auf einen Siegeszug der Pedelecs hoffen …

Francke: … da braucht man nicht mehr drauf zu hoffen. Wer die Verkaufszahlen von Pedelecs und E-Bikes betrachtet, merkt schnell: Die Elektrifizierung im Straßenverkehr hat schon längst stattgefunden. Personen, die aus verschiedenen Gründen nicht Fahrrad gefahren sind, können nun beispielsweise 20 Kilometer bequem pendeln oder auch bergige Strecken gut bewältigen.

BNN: Haben Sie auch schon ein Pedelec?

Francke: Nein, ich fahre noch ein rein muskelbetriebenes Fahrrad (lacht). Aber wenn man sich mal an den Komfort eines Pedelecs gewöhnt hat, ist der Umstieg zurück schwierig.

BNN: Sie haben auch ein Faible für historische Fahrräder und beschäftigen sich intensiv mit der Geschichte der Fahrradentwicklung. Ist da eine Professur in der Geburtsstadt von Fahrraderfinder Karl Drais eine besondere Herausforderung?

Francke: Auf jeden Fall. Ich sammle seit meiner Jugend historische Fahrradtypenschilder und Fahrräder. Das ist ein Familienhobby und somit haben sich über die Zeit auch viele Fahrräder angesammelt.

BNN: Ist das Fahrrad mit dem Pedelec eigentlich fertig entwickelt oder steht uns die nächste Revolution auf dem Gebiet der zweirädrigen Mobilität unmittelbar bevor?

Francke: Bei den Antriebsarten wird sich sicher noch etwas tun, das sind aber keine großen Innovationen mehr. Viel Entwicklungspotential sehe ich beim Thema Sicherheit. Da wäre es wünschenswert, dass durch Sensortechnik die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmenden möglich ist. Hauptursache von Fahrradunfällen sind immer noch Fahrfehler. Durch die Pedelecs sind die Unfallfolgen schwerwiegender geworden. Hier ist es lohnend, mehr zu forschen, um das Radfahren insgesamt sicherer zu machen.

BNN: Und welches Fahrrad werden Sie mit nach Karlsruhe nehmen?

Francke: Ich überlege, ein historisches französisches Rad mit nach Karlsruhe zu nehmen. Bisher habe ich auch mit dem Bike-Sharing in Karlsruhe schon gute Erfahrungen gemacht. Zusätzlich haben wir an der Fahrradprofessur mehrere Fahrräder, sodass ich die Stadt definitiv radelnd erkunden werde.


Freitag, 12. Februar 2021

Mit Rückenwind in die Pedale treten


BNN vom 12.02.2021 

Mit Rückenwind in die Pedale treten

von Elisabet Loris-Quint Karlsruhe-Nordstadt

Wachsende Ansprüche: Der Radverkehr braucht heute eine flächendeckende Infrastruktur, die Qualität hat, findet BNN-Leserin Elisabet Loris-Quint. Die Aufnahme entstand beim Einzeichnen des Radwegs in der Baumeisterstraße in der Südstadt. Archivfoto: Jörg Donecker

Zum ADAC-Mobilitätsbericht und zum Artikel „Karlsruhe ist ganz hinten und ganz vorne dabei“ vom 30. Januar:

Fahrradfahren ist für mich das Fortbewegungsmittel Nummer eins zur Arbeit, zum Einkaufen, in der Freizeit, auf Touren. Nun würde ich die Fahrrad-Situation in Karlsruhe auch gerne so sehen, wie sie in dem ADAC-Mobilitätsbericht zu lesen ist. Ob hier wohl nur Sonntagsradfahrende ihre Urteile fällten?

Ja, wer in Karlsruhe viel mit dem Fahrrad fährt, freut sich häufig sehr, wie schön das ist, fährt aber auch nicht selten auf wundersame Stellen zu, die viele Fragen, oft Verständnislosigkeit und ab und an auch echten Zorn hervorrufen. „Der Verkehr muss ganzheitlich betrachtet werden“, „Auch bei der Verkehrssicherheit ist ein ganzheitliches Konzept vonnöten“, „Alternativen zum Auto müssen attraktiver gemacht werden“ so steht es geschrieben – welch schöne Forderungen – einerseits.

Andererseits stoßen wir auch immer wieder hier in dieser Zeitung auf die verbitterten Stimmungen derer, die zu Fuß gehen, Rad fahren, Auto fahren. Es scheint kein Verständnis der einen für die anderen vorhanden zu sein, und die Ansichten derjenigen, die sich jeweils im Recht wissen, sind wie ein Ping-Pong-Spiel. Wo ist das Verständnis des Miteinanders oder wird es Zeit, die gegensätzlichen Meinungen zum Gehen, Radfahren und Autofahren ernst zu nehmen, sie anzuhören und zu analysieren?

Könnte es eine Chance sein, mit der viel gepriesenen Thematik der Verkehrswende gemeinsame Lösungsansätze zu finden? Noch kommt in Wahrheit nach der ersten freudigen Interpretation des in Gedanken Wollens die Ernüchterung: Assoziiert der Begriff nicht, dass eine nachhaltige Verkehrswende vollzogen werden soll, die schon längst überfällig ist? Auch Karlsruhe hinkt der Zeit hinterher, und die Überlegungen sind naheliegend, wie der Lebensraum Stadt nicht nur heute, sondern besonders morgen aussehen könnte, mit Annehmlichkeiten für alle, die zu Fuß gehen, Rad oder Auto fahren – für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren.

Sicher hat sich in jüngster Zeit schon viel in Karlsruhe in Sachen Radfahren getan. Doch es bleibt die Frage, ob die wachsenden Ansprüche an einen zeitgemäßen Radverkehr mit dem größer werdenden Verlangen nach Komfort ans Radfahren Schritt hält? Oder ist manches, was früher fortschrittlich erschien, heute von gestern? Heute braucht es eine flächendeckende Infrastruktur für den Radverkehr, die Qualität hat und zukunftsfähig ist mit einem hochwertigen Wegenetz. Vielleicht grenzt der Gedanke, dass Karlsruhe ein Fuß- und Fahrradparadies mit sicheren, komfortablen, durchgehenden Verkehrswegen werden könnte, an Träumerei, aber in dem leidigen vergangenem Jahr hat sich gezeigt, was alles geht, was vorher nicht vorstellbar war. Und wir vom ADFC Karlsruhe denken auch daran, was alles mit dem Rad im Verkehr laufen kann – wenn man denn will.

Daher liebe Lesende lasst uns zusammen mit aufmerksamem wachem Blick ein dickes Buch verfassen, in dem die angenehmen und kuriosen Verkehrssituationen in und um Karlsruhe festgehalten werden. Lasst uns liebe Verkehrsplanende die Schönheiten, Gefahrenstellen und Unmöglichkeiten gemeinsam erkunden und erforschen, auch mit den Augen der Kinder und Älteren.

Schreibt uns, liebe bewegungsfreudige Promenierende und Radelnde und verdeutlicht, was für den Fuß- und Radverkehr gut gelöst ist, was besser werden kann, was besser werden muss. Teilt uns – per E-Mail an karlsruhe@adfc-bw.de – Eure Gedanken mit, unterstreicht die Fakten mit Bildmaterial. Wir freuen uns darüber mit Euch gemeinsam Ideen für ein lebenswertes, fuß- und fahrradfreundliches Karlsruhe zu finden.