Dienstag, 11. Mai 2021

Radstreifen sind wieder unterwegs (BNN vom 11.05.2021)

Behinderungen bei der Verkehrsüberwachung melden! 

Radstreifen sind wieder unterwegs  (BNN vom 11.05.2021)


BNN – Mit den steigenden Temperaturen hat auch die Überwachung des Ordnungs- und Bürgeramtes mit sogenannten Radstreifen wieder Fahrt aufgenommen. Hierbei werden neben den Außenbereichen des Stadtgebiets auch vermehrt Schwerpunktkontrollen im Innenstadtbereich durchgeführt. Erfahrungswerte haben gezeigt, dass es in diesen Gebieten zunehmend zu Behinderungen im Bereich der Radwege kommt und die Kontrollen entsprechende Bedeutung haben, wie aus einer Mitteilung des städtischen Pressedienstes hervorgeht. Die Radstreifen werden laut Bürgermeister Albert Käuflein (CDU) seit mehreren Jahren eingesetzt, „um dem Anspruch der Radfahrenden auf eine sichere Nutzung der Radwege gerecht zu werden“.

Auch Bürger können dazu beitragen, die Situation zu verbessern und etwaige Behinderungen für Radfahrer melden. Je nach Tageszeit können Überwachungskräfte dann zielgerichtet an den Einsatzort geschickt werden.

Service

Telefonisch ist die Verkehrsüberwachung innerhalb der regulären Dienstzeiten unter den Nummern 

(07 21) 1 33 39 01, -39 03 und -39 08 zu erreichen. 

Per E-Mail unter der der Adresse: verkehrsueberwachung@oa.karlsruhe.de.

Mittwoch, 5. Mai 2021

Bürger mischen bei der Verkehrsplanung mit (BNN vom 06.05.2021)

Bürger mischen bei der Verkehrsplanung mit  (BNN vom 06.05.2021)


Bürger mischen bei der Verkehrsplanung mit

Arbeitsgruppe Radpolitik im ADFC Karlsruhe ist aktiv wie nie und wird auch zu Radschnellwegen gehört

Von unserem Redaktionsmitglied 

 

Kirsten Etzold

Mittendrin: Joachim Weiß (links) und Johannes Lensch geht es um mehr Raum und gute neue Wege für Radfahrer wie an der Einmündung der Stephanienstraße in den Kaiserplatz. Foto: Jörg Donecker


Wollen Johannes Lensch, 34 Jahre alt, und Joachim Weiß, 51, zeigen, wie ein richtig guter Radweg aussieht, steuern die beiden Karlsruher die Nordseite des Kaiserplatzes an. Dort gibt es für Radfahrer, die aus der Stephanienstraße kommen, eine separate Spur. Eine kleine, spitz zulaufende Verkehrsinsel bei der Baischstraße grenzt Autos, Fußgänger und Radfahrer sauber voneinander ab und macht die Weiterfahrt zum Mühlburger Tor einfach und übersichtlich. Diese Art der Straßengestaltung ist aber noch ein Unikum, in der westlichen City und der Stadt allgemein. 

Oft entspricht das Ergebnis am Ende nicht dem tatsächlichen Bedarf.

Johannes Lensch

 

Arbeitsgruppe Radpolitik

Wir wollen die 

 

Chance nutzen, dass jetzt die Stimmung so gut ist.

Joachim Weiß

 

ADFC-Arbeitsgruppe Radpolitik

Die beiden Karlsruher haben trotz des Altersunterschieds von 17 Jahren viel gemeinsam. Beide besitzen kein eigenes Auto. „Das bedeutet aber nicht Leben ohne Auto, das verwechseln viele“, sagt Lensch. Bei Bedarf sind beide motorisiert mobil als Mitglieder des Carsharing-Anbieters Stadtmobil. Joachim Weiß fährt unter normalen Umständen beruflich extrem viel Bahn. Johannes Lensch hat professionell zu tun mit jeder Art von Verkehr, seien es Busse im hessischen Marburg oder Fußwege in Konstanz am Bodensee.

Ehrenamtlich leiten beide gemeinsam die älteste und größte Arbeitsgruppe des ADFC-Regionalverbands Karlsruhe. Das große Ziel: bessere Bedingungen für Radfahrer in Karlsruhe und dem Umland. „Wir wollen die Chance nutzen, dass jetzt die Stimmung so gut ist“, sagt Weiß. Zum Beispiel knöpft sich die fahrradpolitisch engagierte Gruppe daher die Karlsruher Einzelergebnisse im jüngsten ADFC-Fahrradklimatest vor: „Da muss man genau hinsehen.“

Die Arbeitsgruppe Radpolitik im ADFC Karlsruhe ist aktiv wie nie, auch bei der Planung der Radschnellwege Richtung Ettlingen und Rastatt. Rund zwei Dutzend Aktive nutzen inzwischen ihre bürgerschaftlichen Mitwirkungsrechte intensiv, Tendenz weiter steigend. In Karlsruhe wird die Gruppe regelmäßig beim Regierungspräsidium, der Stadtverwaltung und der Schienenbaugesellschaft Kasig angehört und in Überlegungen einbezogen.

Jetzt setzt sich die Gruppe neue Schwerpunkte. „Wir würden gern eine generelle Verbesserung des Karlsruher Radverkehrsnetzes erreichen und uns nicht nur aufreiben mit Details“, erklärt Weiß. „Wir haben zu viel Verkehr in der Stadt und zu wenig Parkplätze, zu schlechte Luft und zu viel Lärm. Uns fehlt bei den Verantwortlichen oft der Gedanke: Was biete ich den Radfahrern denn an?“

Dass sich die Klimakrise zuspitzt und dass weiter auch in Karlsruhe tödliche Fahrradunfälle passieren, „das wird in Kauf genommen“, kritisiert Weiß und mahnt: „Uns läuft die Zeit weg.“ Die ADFC-Gruppe unterstützt die „Vision Zero“ des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der eine Null in der Statistik der Verkehrstoten mit Fahrrädern fordert. Enge Zusammenarbeit mit ähnlichen Zielen gibt es auch mit der Fridays-for-Future-Bewegung sowie dem Verein Fossil Free Karlsruhe gegen die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe.

Trotz des Limits, das Ehrenamt nicht überzustrapazieren, haben Lensch und Weiß einen hohen Anspruch. „Wir suchen eine neue Struktur, sodass jeder zufrieden ist und sich keiner langweilt“, erklärt Lensch. Verschiedene Ansichten innerhalb der Arbeitsgruppe gehören dazu, aber das Leiter-Team will das große Ganze stärker in den Mittelpunkt rücken. „Es ist einfacher, über kleinere Themen zu diskutieren. Bei großen Konzepten wissen viele nicht, was davon zu halten ist, und prompt ist so ein Punkt zu schnell abgehakt“, beschreibt Weiß seine Erfahrung nicht nur aus der ADFC-Arbeitsgruppe.

Ein festes Team kümmert sich bereits gezielt um das Radnetz in der Großstadt. Weiß betont: „Wir brauchen Radrouten als Ganzes und nicht 100 Meter, die toll sind, und dann wieder die alten Hürden.“ Ein negatives Beispiel sei die Karlstraße: „Nur ein weißer Strich auf der Fahrbahn, der Radstreifen nicht baulich abgegrenzt, dann endet der Streifen einfach, das ist zu viel Stückwerk.“ Aus Sicht der Arbeitsgruppe positiv sind die Hirschstraße mit Ausnahme des nördlichsten Abschnittes und bald die Kriegsstraße.

Durchgehend, gerade, sicher und auf kürzestem Weg – so müsse Radverkehr rollen, fasst Lensch zusammen. „Wir haben über die Kriegsstraße heiß diskutiert und das Verfahren intensiv begleitet“, erzählt er. Ein Hindernis im internationalen Vergleich sei das deutsche Planungsrecht: „Da dauert es Jahre vom Bebauungsplan bis zum Pinselstrich auf der Straße. Oft entspricht das Ergebnis am Ende nicht dem tatsächlichen Bedarf.“

Inzwischen seien zum Beispiel viel mehr und auch schnellere Fahrräder oder breite Lastenräder unterwegs. Bei dem stolzen Anteil des Radverkehrs in Karlsruhe seien drei Meter Spurbreite nötig, sagt Lensch. Weiß ergänzt: „Dass auch immer mehr Pedelec-Fahrer die bestehenden Radwege nutzen, bedeutet: Wir brauchen mehr und moderne Wege.“ Rauf auf den Gehweg und wieder runter, Umwege, Einmündungen, Wartezeiten und Geruckel – „das fühlt sich an wie Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, und das in einer Stadt, die fahrradfreundlich sein will.“

Mit Fußgängern sehen sich die politisch engagierten Radfahrer im selben Boot. „Beide werden an den Rand geschoben“, sagt Weiß. Lensch ergänzt: „Fußgänger und Radfahrer bewegen sich aus eigener Kraft fort und nicht nur mit dem Gaspedal.“ Wichtig ist beiden auch eine Kernforderung, die in den ADFC-Statuten verankert ist: Wenn mehr Radwege und Abstellflächen für Fahrräder geschaffen werden, dann nie zulasten der Fußgänger. In Karlsruhe geschehe allerdings genau das, auch direkt im Umfeld der ADFC-Geschäftsstelle in der Welfenstraße.

Service

Wer sich in der Arbeitsgruppe engagieren oder Anregungen geben möchte, kann per E-Mail an karlsruhe@adfc.de Kontakt aufnehmen.

Dienstag, 27. April 2021

Grüne drängen auf mehr Sicherheit auf Rad- und Fußwegen (BNN 27.04.2021)

Grüne drängen auf mehr Sicherheit auf Rad- und Fußwegen (BNN 27.04.2021)


Grüne machen Druck

BNN – In einem Antrag fordert die Grüne Gemeinderatsfraktion, die städtische Abschlepprichtline an den Vorgaben des Landesverkehrsministeriums auszurichten. Insbesondere solle darauf geachtet werden, dass Geh- und Radwege ohne Behinderung nutzbar sind, so die Fraktion in einer Mitteilung. Ein ausreichender Abstand parkender Autos zu Kreuzungen solle sichere Alltags- und Schulwege ermöglichen. Auch an Standorten wie Feuerschutzzonen, Fußgängerzonen, Behindertenparkplätzen, E-Ladeplätzen sowie Anwohnerparkplätzen soll konsequent kontrolliert und abgeschleppt werden.
„Falsch geparkte Autos behindern nicht nur die Wege von anderen Verkehrsteilnehmenden, sie gefährden auch die Sicherheit von zu Fuß Gehenden oder Radfahrenden“, so Aljoscha Löffler, Vorsitzender Fraktion. „Zwar wurden die städtischen Abschlepprichtlinien zum 1. März geändert. Doch die Möglichkeiten, die ein Erlass des Landesverkehrsministeriums gibt, wurden bei weitem nicht ausgeschöpft.“ Der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Johannes Honné ergänzt, dass Karlsruhe beim ADFC-Fahrradklimatest in der Kategorie „Falschpark-Kontrolle auf Radwegen“ mit 4,3 die schlechtere Note erhalten habe. Die Verwaltung solle die im Erlass genannten Handlungsspielräume vollumfänglich ausschöpfen, so die Grünen. Nur so könne eine gleichberechtigte Nutzung des Verkehrsraums ermöglicht und eine Verlagerung des Verkehrs hin zum Fahrrad erreicht werden.







Donnerstag, 22. April 2021

ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021

 ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021


Radfahrerclub wächst mit seinen Aufgaben

Jennifer Deck will als Mitglied Nummer 2.000 bessere Radwege und Problemlösungendurchsetzen

Von unserem Redaktionsmitglied

 

Kirsten Etzold

24 Jahre jung, berufstätig, engagiert: Jeder Verein reißt sich um neue Aktive wie Jennifer Deck. Tja, das Rennen ist erstmal gelaufen: Die Fahrradpendlerin aus Knielingen hat sich entschieden. Sie ist jetzt Mitglied Nummer 2.000 beim Regionalverband Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Ich will mich für die Fahrradpolitik in Karlsruhe einsetzen“, kündigt Deck an. „In dieser Stadt müssen Radfahrer eine stärkere Stimme haben.“

Nie hat der ADFC in der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands mehr Menschen angezogen als jetzt. Das Corona-Jahr 2020 trieb beim ADFC Karlsruhe die Mitgliederzahl um rund 330 Einzelpersonen nach oben, ein Rekordzuwachs. In den zurückliegenden drei Jahren erreichte die Zunahme insgesamt knapp 700, dabei sind Austritte und Neumitgliedschaften schon miteinander verrechnet. Knapp die Hälfte der heutigen ADFC-Mitglieder des Regionalverbandes, mindestens 940 Menschen, sind überhaupt erst seit maximal fünf Jahren dabei. Und der Trend setzt sich fort: Seit Januar sind schon wieder knapp 80 Neumitglieder dazugekommen – wie Deck.

„Ich fahre täglich mit dem Rad zur Arbeit in die Brauerstraße und erledige meine Wege auch sonst bei jedem Wetter mit dem Fahrrad. Da bin ich schneller als mit dem Auto und flexibler als mit der Bahn“, sagt die Angestellte des Jobcenters. Werktags steigt sie um 6 Uhr aufs Rad. „Das ist schon eine Überwindung“, gesteht sie, „aber nach fünf Minuten bin ich warm, und es ist gut fürs Immunsystem.“ In Karlsruhe gebe es schon viele gute Radwegabschnitte, zum Beispiel ein komplett neu gestaltetes Streckenstück an der Siemensallee. Das reicht aber nicht, findet die Knielingerin: „Meine Vision ist, dass es überall so aussieht.“ Bis dahin sei noch viel zu modernisieren und zu reparieren. 

„Manche Schlaglöcher sind nicht nur ärgerlich, sondern bei Nässe und Laub auch gefährlich“, mahnt Deck. „Ich möchte gern mit erarbeiten, wo es Problemzonen gibt, mit Ideen zur Lösung beitragen und die dann auch durchsetzen.“ Auf die Erfahrungen ist sie gespannt: „Mal schauen, wo es klemmt.“

Die Neue bekommt nicht nur Blumen und ein Erinnerungsfoto beim Extratermin in der Geschäftsstelle des ADFC in der Südweststadt. Der Vorsitzende Ulrich Eilmann codiert auch gleich ihr himmelblaues Fahrrad, ein Modell in Retro-Optik. Dieser Service des ADFC läuft trotz Pandemie und ist sehr gefragt. Seit Ende März haben in Karlsruhe bereits wieder 55 Menschen als Vorbeugemaßnahme gegen Diebstahl ihr Fahrrad mit der zusätzlichen Kennziffer am Rahmen ausstatten lassen. 

„Wir agieren wie Reparaturwerkstätten, alles läuft nur mit Termin und Abstandsregel“, erklärt Eilmann. Zusätzlich schützen in der ebenerdigen Geschäftsstelle in der Welfenstraße ein Empfangstresen mit Plexiglasscheibe, die sperrangelweit offenstehende Eingangstür und neuerdings ein Sensor, der den Kohlendioxidgehalt im Raum misst.

Vom ursprünglichen Anbieter geführter Feierabend- und Wochenendtouren per Fahrrad hat sich der ADFC in Karlsruhe zu einem Lobbyverband entwickelt, der vor Ort beachtet und gehört wird wie die Dachverbände auf Landes- und Bundesebene. Zu Serviceangeboten wie Reparaturkursen, der Codierung und Radfahrtrainings ist eine immer aktivere verkehrs- und umweltpolitische Einflussnahme gekommen.

Eilmann ist seit 2012 Karlsruher ADFC-Mitglied. Er hat teils beobachtet, teils miterlebt, wie stark sich der Club in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat. „Der ADFC hat damals in sich selbst geruht“, erinnert er sich an seinen Eindruck im ersten Jahr der Mitgliedschaft. „Man war zufrieden, die Truppe war homogen, es war aber auch ein engerer Zusammenhalt.“ Für die Mitgliederversammlungen reichte der kleine Raum des Umweltzent-rums in der Kronenstraße.

Zum massiven Wachstum der vergangenen fünf Jahre passt auch, dass der ADFC in der Technologieregion Karlsruhe mehr Gewicht gewinnt. In Ettlingen und Bretten etwa sind Clubmitglieder inzwischen sehr aktiv. „Der Landkreis wird jetzt lebendiger“, stellt Eilmann fest. Da gebe es keine Konkurrenz, stattdessen erhielten die gemeinsamen Anliegen mehr Gewicht. Auch die „stolze schöne Zahl“ von 2.000 Mitgliedern werde dazu beitragen. Austritte seien selten, Corona-Krise hin oder her, so Eilmann: „An der Mitgliedschaft wird offensichtlich nicht gespart.“


Hintergrund:

In der Konkurrenz mit Freiburg, der Stadt, die sich seit 2018 mit Karlsruhe ein knappes Wettrennen um die von Bürgern attestierte Fahrradfreundlichkeit liefert, hat der ADFC Karlsruhe mit seinen aktuell 2.000 Mitgliedern deutlich die Nase vorn. Der ADFC-Landesverband in Stuttgart meldet aktuell für den ADFC Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald/Emmendingen 1.733 Mitglieder, gefolgt von Heidelberg mit dem Rhein-Neckar-Kreis (1.110), Mannheim (847) sowie Stadt und Landkreis Ulm (820). In der Landeshauptstadt selbst ist der Verein allerdings am stärksten und quasi eine Klasse für sich: Dort gibt es knapp 2.400 ADFC-Mitglieder. ke

Mittwoch, 7. April 2021

SWR Umfrage zur Radnutzung

SWR Umfrage zur Radnutzung




  1.  SWR Aktuell

    SWR-DATENANALYSE ZUR FAHRRADNUTZUNG

  1. Viele Autos - Schlechte Wege - Radler fühlen sich oft unsicher
Stand 4.4.2021, 12:43 UHR

Deutschland ist keine Fahrradfahrnation. 40 Prozent sind nie mit dem Rad unterwegs. Und denen, die es sind, ist nicht immer wohl dabei. Dabei haben die Menschen konkrete Ideen, wie ihnen mehr Lust aufs Rad gemacht werden könnte.

Mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland gehen als richtige Fahrradmuffel durch. Sie steigen nie bis selten auf das Fahrrad. Das ergibt eine aktuelle, repräsentative Umfrage, die das Berliner Umfrageinstitut Infratest Dimap im Auftrag des SWR in Deutschland durchgeführt hat. Nur für jeden Zehnten ist das Fahrrad demnach täglicher Begleiter, knapp ein Drittel steigt zumindest mehrmals im Monat aufs Rad.

Vor allem Senioren meiden das Fahrrad

Teils große Unterschiede gibt es hinsichtlich des Alters: So sind die aktivsten Radfahrer in der mittleren Altersgruppe zu finden. Fast zwei Drittel aller Senioren gaben an, niemals Rad zu fahren. Geht man nach Geschlechtern, zeigen sich Männer etwas aktiver als Frauen. Bei der Parteipräferenz führen nicht etwa Anhänger der Grünen, sondern der Linken knapp die Liste an.

Corona wirkt sich wenig auf den Radverkehr aus

Weniger Aufschwung als vielleicht vermutet hat die Corona-Pandemie bislang dem Radverkehr gebracht. Zwar gab fast jeder Zehnte an, seit dem Beginn der Pandemie häufiger aufs Rad zu steigen. Genauso viele Menschen sagten aber, das Fahrrad nun weniger zu nutzen. Für den Rest änderte sich nicht viel. Zu den Gruppen, die am ehesten aufs Rad umstiegen, zählen beispielsweise die Jüngeren. Unter denen, die im Gegensatz dazu vom Rad eher auf andere Verkehrsmittel umstiegen, fanden sich überdurchschnittlich viele FDP-Anhänger.

Nach dem Ende der Pandemie wollen fast 80 Prozent ihr aktuelles Radfahrverhalten beibehalten. Auffällig ist: Menschen die seit Corona mehr Fahrrad fahren, wollen auch nach dem Ende der Pandemie überdurchschnittlich oft weiter in die Pedale treten. Diejenigen, die aktuell nicht so viel Fahrrad fahren, wollen das nach dem Ende der Pandemie wieder ändern.

40 Prozent glauben, die Politik sollte mehr für Radler tun

Könnte die Politik mehr für die Radfahrer tun? Davon sind vor allem die Vielfahrer überzeugt und jene, die seit Corona aufs Rad umgestiegen sind. Insgesamt gaben vier von zehn Umfrageteilnehmern an, dass von Seiten der Politik zu wenig unternommen werde, um den Radverkehr zu fördern. Vor allem AfD- und FDP-Anhänger, sowie Menschen, die selbst nie aufs Rad steigen, sind hingegen überdurchschnittlich oft der Meinung, dass die Politik zu viel für die Radfahrer tue.

Autos führen bei vielen zu Unsicherheit auf dem Rad

Gründe für die Menschen, das Rad doch eher stehen zu lassen, gibt es mehrere. Das größte Ärgernis sind laut Umfrage aber die Autos: 39 Prozent aller Befragten gaben an, sich wegen der vielen Autos auf dem Rad unsicher zu fühlen. Mehr als jeder Dritte ärgert sich zudem darüber, dass es keine ausreichenden Möglichkeiten gebe, um das Fahrrad sicher abzustellen. Über eine unübersichtliche Radwegeführung beschwert sich ebenfalls mehr als ein Drittel. Besonders genervt davon fühlen sich Jüngere, Menschen mit höherem Schulabschluss, Anhänger der Grünen und Einwohner von Großstädten.

Ein Anreiz, um häufiger aufs Fahrrad zu steigen, wären besser ausgebaute Radwege. 38 Prozent würden dann nach eigener Aussage das Fortbewegungsmittel eher wechseln. Noch höher liegt die Zahl beispielsweise bei Jüngeren, Menschen aus dem Osten Deutschlands und denen, die sowieso schon regelmäßig Fahrrad fahren.

76 Prozent der Vielfahrer sind auch der Meinung, dass Schnellradwege wichtig für ein gutes Radwegenetz sind. Dieser Meinung sind auch sechs von zehn Erwerbstätigen. Im Bundesdurchschnitt sehen das nur 54 Prozent so.

Baden-württembergischer Verkehrsminister sieht Aufforderung an die Politik

Der baden-württembergische Minister für Verkehr Winfried Hermann teilte mit: "Auch, wenn die Umfrage keine spezifischen Zahlen für Baden-Württemberg liefert, belegt sie, dass eine bessere Radverkehrsinfrastruktur zentral ist, damit mehr Menschen Fahrrad fahren und sich dabei sicher fühlen."

Die Umfrage sei eine Aufforderung an die Politik, in den kommenden Jahren noch mehr zu investieren und mehr sichere Radwege zu schaffen.

Auch ADAC und ADFC sehen Nachholbedarf bei Rad-Infrastruktur

Die Ergebnisse der SWR-Umfrage decken sich mit den Erfahrungen des Automobil-Clubs ADAC. Dort weiß man um die diversen "Baustellen" auf dem Gebiet. "Auch nach den Erkenntnissen des ADAC fühlen sich Fahrradfahrer im Straßenverkehr oftmals unsicher", kommentiert der Bundesverband die Ergebnisse der Umfrage. Man halte "deshalb den Ausbau der Rad-Infrastruktur in den Städten und auf dem Land für wichtig, um vor allem Lücken im Fahrradwegenetz zu schließen und dadurch die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern."

Dienstag, 23. März 2021

Leserbrief zur Auszeichnung von Karlsruhe Fahrrad-Klima-Test des ADFC in den BNN vom 24.03.2021

Leserbrief zur Auszeichnung im Fahrrad-Klima-Test des ADFC in den BNN vom 24.03.2021


Fahrradklima ist nicht überall gut

Heiner Lichti Karlsruhe-Durlach    BNN 24.03.21


Nachholbedarf: Heiner Lichti findet, dass es gerade in Durlach, wie hier in der Badener Straße, für Radfahrer noch zu viele gefährliche Stellen gibt. Dies gebe die Auszeichnung der Stadt beim ADFC-Fahrradklimatest nicht wider.Foto: Jörg Donecker

Zur Auszeichnung Karlsruhes beim Fahrradklimatest des ADFC:

Karlsruhe wurde der Titel der fahrradfreundlichsten Großstadt in der Kategorie der Großstädte zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern vor dem Dauerrivalen Münster für das Jahr 2020 verliehen. Die Gesamtnote von 3,07, – also befriedigend – kann man aber nur als außerordentlich mäßig bezeichnen. Einer Vielzahl von Abiturienten wäre mit dieser Benotung der Weg zum Studium versperrt. Eine noch schlechtere Note wäre angemessen gewesen, denn offenbar haben die Juroren nur die Kernstadt beurteilt, nicht aber die Stadtteile, insbesondere nicht den größten von ihnen mit über 30.000 Einwohnern, nämlich Durlach. Dieser Stadtteil besitzt drei große Verkehrsachsen, im Süden die Badener Straße (B3), die Pfinztalstraße und im Norden die Pfinzstraße. Alle führen im wesentlichen parallel von Nordost nach Südwest und erschließen dem Radfahrer den alten Stadtkern.

Man kann keinem Radfahrer empfehlen, die Badener Straße im Bereich Durlach zu benutzen, denn sie ist wegen parkender Autos und des Durchgangsverkehrs einschließlich schwerer Lkw und Omnibusse lebensgefährlich. Einen Radweg gibt es nicht und den an sich ausreichend breiten und von Fußgängern kaum benutzten Fußweg an der Schlossgartenmauer darf man nicht befahren. Die Pfinztalstraße, Haupteinkaufsstraße von Durlach, ist für Fahrradfahrer weitgehend gesperrt, die Fußwege dürfen nur schiebend benutzt werden. Die Straße ist im Übrigen wegen der Straßenbahngleise, die die Straße mit den Straßenbahnwagen und streckenweise auch Autos ausfüllen, ebenfalls hochgefährlich. Auch wachen hier die Ordnungskräfte streng darüber, dass man als Radfahrer nicht die Fußwege benutzt, die allerdings an vielen Stellen ohnehin durch das Garten-Mobiliar der Gastronomie und Eisdielen blockiert sind. Auch die Pfinzstraße ist als Umgehungsstraße stark von Verkehr belastet, weist keinen Radweg auf und ist seit circa zwei Jahren wegen einer Großbaustelle nur einseitig befahrbar. Selbst in einem Spielstraßenabschnitt der Marstallstraße muss man dem Radfahrer anraten, abzusteigen und zu schieben, nicht etwa weil dort Kinder spielten, sondern weil die Fußgänger nicht die beiderseits vorhandenen breiten Fußwege benutzen, da sie mit Handy oder Smartphone am Ohr auf der Straße bummeln oder sie überqueren oder Fußgängergruppen mitten auf der Straße im Plausch versunken sind.

Der einzige mir bekannte Radweg findet sich in der alten Weingartener Straße im Bereich des Turmbergbades, wo außer im Sommer kaum ein Radfahrer hinkommt. Nicht verschweigen will ich den Radweg auf der Durlacher Allee, der den Fahrradverkehr von der westlichen Peripherie Durlachs an die City anbindet, für den innerstädtischen Verkehr allerdings keine Bedeutung hat.

Hätten die AFDC-Juroren auch Durlach näher ins Visier genommen, wäre die Beurteilung wesentlich schlechter ausgefallen. Auch hier wird die Mutter von ihrer großen Tochter wieder einmal stiefmütterlich behandelt.

Zum Schluss wohlgemerkt: Ich bin überwiegend Fußgänger mit Gehstock, meine Frau aber tätigt sämtliche Einkäufe in Durlach und Karlsruhe mit dem Rad.


Meine Anmerkung zum Leserbrief von Heiner Lichti:

Durlach ist zwar die Mutter von Karlsruhe, aber bei diesem Klimatest wurde Durlach nicht stiefmütterlich von der Tochter Karlsruhe oder von Juroren des ADFC behandelt. Entschieden haben nämlich nicht ein Gremium von Juroren sondern ganz unabhängig und unbeeinflusst diejenigen, die mit dem Fahrrad überall im ganzen Stadtgebiet mit allen Stadtteilen, auch in Durlach, unterwegs sind. Das gibt dann natürlich nur ein Gesamtbild über die ganze Stadt und nicht für einzelne Stadtteile. Nach diesen wurde im Fragebogen auch nicht unterschieden. Jetzt geht es für Karlsruhe darum, überall dort besser zu werden, wo es an Qualität mangelt, also auch in Durlach.
(Anmerkung von Cornelius)


Montag, 22. März 2021

ADFC fordert Kommunen nach Fahrradklimatest zum Handeln auf. BNN vom 23.03.2021

ADFC fordert Kommunen nach Fahrradklimatest zum Handeln auf. 


Fördertöpfe sollen geleert werden

Von unserem Redaktionsmitglied 

Ekart Kinkel, BNN 23.03.21


Viel Platz: In Karlsruhe fahren immer mehr Leute Rad. Und die brauchen wie hier bei einer Critical-Mass-Fahrt mehr und breitere Radwege. Archivfoto: Jörg Donecker

Das Karlsruher Radwegenetz kann nach Einschätzung des baden-württembergischen ADFC als Vorbild für andere Kommunen dienen. „Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren systematisch eine Infrastruktur für Radfahrer aufgebaut und dafür auch Autofahrbahnen in Radfahrspuren umgewandelt. Das wird von den Radfahrern honoriert“, sagt Gudrun Zühlke. Nach Einschätzung der baden-württembergischen Landesvorsitzenden der Radfahrerinteressenvereinigung war das gute Radwegenetz auch ausschlaggebend für Karlsruhes erfolgreiche Verteidigung des Titels der fahrradfreundlichsten Großstadt Deutschlands.
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Wenn der Klassenbeste eine Drei minus erhält, kann niemand zufrieden sein.
Gudrun Zühlke ADFC
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Allerdings haben auch die Karlsruher Radverkehrsplaner nicht schnell genug auf die stetig wachsende Zahl von Radfahrern in der Stadt reagiert. Zu schmale Radwege und zu wenige Abstellmöglichkeiten haben eine bessere Bewertung verhindert. Beim Fahrradklimatest des ADFC erhielt die fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands lediglich die Durchschnittsnote 3,07.

„Wenn der Klassenbeste eine Drei minus erhält, kann eigentlich niemand so richtig zufrieden sein“, so Zühlke. Deshalb sollten die Kommunen die Ergebnisse des Fahrradklimatests ernst nehmen und die Weichen für eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur stellen. Unterdurchschnittliche Noten erhielten fast alle baden-württembergische Städte bei der Ampelschaltung für den Radverkehr oder bei der Verkehrsführung an Baustellen.

Alleine in Baden-Württemberg haben sich über 26.000 Menschen am Klimatest beteiligt. Das war ebenso ein Rekordergebnis wie die 164 Kommunen, die von den Radfahrern bewertet wurden. 2018 schafften es landesweit 108 Kommunen in die Wertung. 2012 waren es nur 43. Außer Karlsruhe gelang allerdings nur Freiburg, Heidelberg, Konstanz und Rutesheim (alle Dritter in ihrer jeweiligen Kategorie) der Sprung aufs Siegertreppchen. „Da ist noch viel Luft nach oben. Denn wenn die Menschen ihre Autos stehen lassen und aufs Rad umsteigen, haben schließlich alle Bürger etwas davon“, so Zühlke. Deshalb sollten die Kommunen zügig handeln. Die Fördertöpfe für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur seien prall gefüllt und müssten lediglich abgerufen werden.

Von der Landesregierung fordert der ADFC die Zielvorgaben für die Förderung des Radverkehrs in einem speziellen Gesetz zu bündeln. „Radverkehrsförderung ist ein übergreifendes Thema“, so Zühlke. „Aber in manchen Ministerien findet es immer noch nicht statt“. Das Wirtschaftsministerium etwa müsse sich künftig verstärkt um die Förderung von Radfahrern im Kontext der betrieblichen Mobilität kümmern.