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Mittwoch, 19. Juni 2024

Ghostbike seit 18.06.2024 am nördlichen Radweg Adenauerring an der Einmündung Friedrichstaler Allee

Ghostbike seit 18.06.2024 am nördlichen Radweg Adenauerring an der Einmündung Friedrichstaler Allee


Am Abend des 18.06.2024 wurde mit einer nicht kleinen Critical Mass zur Unfallstelle an der Einmündung Friedrichstaler Allee geradelt, um dort das Ghostbike aufzustellen. Eine Geisterradlerin kollidierte dort mit einem vorschriftsmäßig auf dem rechten Radweg fahrenden Radfahrer. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus verstarb.

Nachts gegen 22:30 kam ich vorbei. Und während ich dass Foto schoss, kam mir ein unbeleuchtetes Fahrrad schnell entgegen. Und schon war es vorbei, ich hätte am liebsten etwas gesagt. Aber es war schon wieder im Dunklen verschwunden. 

Wenn ihr vorbeiradelt, denkt daran, entgegen der Fahrtrichtung zu radeln, kann lebensgefährlich sein, wenn der Radweg schmal ist. Und wenn ihr aus irgendeinem Grund entgegen der Fahrtrichtung radelt, radelt ganz rechts und verhalten. Während der Begegnung der beiden Räder trete ich nicht in die Pedale, um Seitwärtsbewegungen zu minimieren.

Aber am besten und sichersten ist es, immer den rechten Radweg zu benutzen, wenn es zwei Radwege gibt!

(Cornelius)



Mittwoch, 17. Mai 2023

Ride of Silence Rückblick, 50 sind mitgeradelt zu den 3 Ghostbikes

Ride of Silence Rückblick, 50 sind mitgeradelt zu den 3 Ghostbikes

Bei Sonnenschein fanden sich 50 Radlerinnen und Radler am Marktplatz vor dem Rathaus ein. SWR und Zeitung waren vor der Abfahrt auch da. Im Gegensatz zu einer Critical Mass ging es bei Ride of Silence, wie der Name zum Anlass ausdrückt, ruhig zu: keine Musik und auch nicht das übliche Klingeln.
Die erste Station war in der Baumeisterstraße am Theater, wo nochmal des Bühnenarbeiters gedacht wurde, der 2022 beim links abbiegen von einem Auto angefahren wurde und so schwer verletzt wurde, dass er einige Tage später im Krankenhaus verstarb. Es war noch einmal ein sehr bewegender Moment, Angehörige waren am Ghostbike und auch Uli versagte in Trauer die Stimme. Er wies auch mit Unverständnis auf die Pietätlosigkeit einiger unbekannter Mitmenschen hin, die immer wieder das Gedenkschild zerstören und das Rad verschandeln.
Weiter ging es zum Durlach-Center, wo seit 2020 ein Ghostbike eines Radlers gedenkt, der dort von Durlach kommend von einem aus der Oststadt kommenden Auto übersehen wurde und dabei tödlich verletzt wurde. Als Sofortmaßnahme wurden die riesigen Reklametafeln entfernt, die die Sicht versperrten. Maßnahmen, die den dortigen Verkehr, der jetzt noch rein auf reibungslosen Autoverkehr ausgerichtet sind, sind noch auf die lange Bank geschoben. Darauf wurde bei der Kundgebung hingewiesen.
Das nächste und letzte Ghostbike war bei der Brücke auf dem Herdweg über die Autobahn, wo 2022 eine 82-jährige fitte Alltagsradlerin auf dem schmalen Fuß- und Radweg wahrscheinlich von einem Rollerfahrer touchiert wurde und dabei so unglücklich stürzte, das sie das später im Krankenhaus nicht überlebte. Der Radweg ist zwar durch Leitplanken von der Straße getrennt, auf der Straße fahren viele Lastzüge, sodass man nur auf dem schmalen Radweg radeln kann. Hier braucht es auch eine größere Lösung, bei der diese Engstelle entschärft werden muß. Aber hier hat auch die Autobahn GmbH mitzureden.
So ging es nicht nur um das Gedenken sondern auch um Ursachenforschung und die Aufforderung an die zuständigen Verantwortlichen, Lösungen zu realisieren, die sich daran orientieren, das Radler und Fußgänger sicher ihren zugehörigen Platz bekommen.
Denn Verkehrswende gelingt nur, wenn sie für alle sicher ist.

Am Ghostbike Herdweg hielt Tanja Dopf vom ADFC folgende Ansprache:

"Dieses Ghostbike erinnert an die 82jährige Karin Weber, eine fitte
Alltagsradlerin, die in Folge eines Sturzes oben auf der Brücke am
Folgetag verstarb.
Zum Sturz kam es, weil ein 55-jähriger Fahrer eines Motorrollers zu dicht
vorbeifuhr und sie vermutlich streifte.
Schon 2017 kam es an dieser Bücke zu einem schweren Unfall zwischen
Radfahrenden - einfach, weil der Radweg viel zu schmal ist und
Begegnungen nicht problemlos möglich sind. Laut Stadtverwaltung kommt es
auch immer wieder zu Böschungsstürzen, weil Menschen vom schmalen Weg
abkommen. Daher steht das Ghostbike auch hier unten und nicht oben auf
der Brücke.
Man könnte Abhilfe schaffen, wenn man wollte. Dazu müsste man eine
Autospur umwidmen. Daß das geht, sieht man in der Ortenau, wo es zwei
solcher Lösungen gibt, zumal dies hier eine Radhauptroute ist.
Es kann nicht sein, dass nichts voran geht, nur weil man Schwierigkeiten
mit der Autobahn GmbH. des Bundes vermutet und dafür schwere Unfälle von
und mit Radfahrenden in Kauf nimmt.
Hier muss gehandelt werden - mehr als nur Büsche schneiden!"

Für den Auftakt vor dem Rathaus und dem Ghostbike in der Baumeisterstraße hat mir Michael Reichert die Redemanuskripte geschickt:

Ride of Silence am 17. Mai 2023

Auftaktkundgebung

Rednerin: Katrin Hillenbrand
Redemanuskript – es gilt das gesprochene Wort.

Vielen Dank, dass ihr alle heute so zahlreich erschienen seid.

Wir sind heute hier, um im Rahmen des Ride of Silence denjenigen zu gedenken, die in den vergangenen Jahren im Straßenverkehr getötet wurden.

In Karlsruhe stehen derzeit fünf Ghostbikes. Den drei neuesten statten wir heute einen Besuch ab.

An jedem der drei Ghostbikes wird es eine kurze Ansprache geben.

Verkehrsunfälle sind kein Schicksal, sondern eine Folge von technischem Versagen oder – weitaus häufiger – menschlichem Versagen. Während bei Autos eine Blechhülle kleine Fehler verzeiht, führen Zusammenstöße bei zu Fuß Gehenden und Radfahrenden fast immer zu Verletzungen.

Jährlich werden ein bis zwei Radfahrende in Karlsruhe im Straßenverkehr getötet.

Der Gemeinderat hat im Jahr 2005 mit dem 20-Punkte-Programm eine Reduktion der Anzahl der schwerverletzten Radfahrenden um 25 Prozent gefordert. Zwar ist der Radverkehrsanteil mittlerweile mehr als doppelt so groß, die Anzahl dieser Unfälle ist unverändert hoch.

Der Gemeinderat hat im Oktober 2021 das Karlsruher Programm für Aktive Mobilität beschlossen. Dieses fordert die Reduzierung dieser Zahl um 50 Prozent bis zum Jahr 2030. Bis 2035 soll es gar keine Fahrrad- und Fußgänger[1]Unfälle mit schweren Personenschäden mehr geben.

Diese Vision Zero ist mit dem aktuellen Vorgehen unerreichbar. Es genügt nicht, sich auf ein paar wenige Unfallhäufungsstellen zu konzentrieren, wo aber nur ein kleiner Teil der Unfälle überhaupt geschieht.

Der zweite Platz im Fahrradklimatest darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Straßen immer noch für die Flüssigkeit des Autoverkehrs gebaut sind und entworfen werden.

Es bedarf einer Prioritätensetzung, die ganz klar „Sicherheit vor Leichtigkeit“ lautet. Es darf nicht sein, dass die Flüssigkeit des Kraftverkehrs wichtiger ist als die Sicherheit der Radfahrenden, die bei grüner Ampel geradeaus fahren und dabei gerammt werden. Straßen müssen so gebaut sein, Ampeln müssen so geschaltet sein, dass kleine Fehler nicht zu Unglücken führen.

Es darf nicht sein, dass eine Gefahrenstelle nicht nachhaltig beseitigt werden wird, weil eine Umfahrungsstraße für Hagsfeld zur Förderung des Autoverkehrs 70 Millionen Euro verschlingt. Das sind 40 Prozent dessen, was der Maßnahmenkatalog des Fuß- und Radentscheid kosten wird.

Für das Geld kann man z.B. ein paar Dutzend Kreuzungen sicherer machen.

Die Flüssigkeit des Kraftverkehrs ist nicht gottgegeben. Aber leider steht sie bis heute im Gesetz.

In Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung ist die Freiheit, anderen das Leben zu nehmen – auch bekannt als schnelles Fahren –, höher angesiedelt als die Gesundheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmer. Hier ist der Bundesverkehrsminister am Zug.

 

Ride of Silence am 17. Mai 2023

Zwischenkundgebung vor Baumeisterstraße 12

Redner: Ulrich Eilmann
Redemanuskript – es gilt das gesprochen Wort.

Am 21. Mai 2022 wurde an dieser Stelle Martin Scheffer beim Linksabbiegen von einem PKW erfasst und schwer verletzt. Martin Scheffer war allen, die ihn kannten als umsichtiger Radfahrer bekannt. Er hinterlässt eine Frau mit zwei Kindern, eine Mutter und eine Schwester mit ihrer Familie. Laut Polizeibericht hat er die Richtungsänderung angezeigt und ist dann sofort, ohne sich um den rückwärtigen Verkehr zu kümmern direkt abgebogen. So steht es im Polizeibericht. Martin Scheffer wurde in das städt. Klinikum eingeliefert und dort ins künstliche Koma gelegt. Er starb am 03. Juni 2022 an den Folgen seiner Verletzungen, ohne noch einmal das Bewusstsein erlangt zu haben. Das Verfahren gegen die PKW-Fahrerin wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Was bleibt ist die große Trauer und Unwissen.
Wir wissen nicht, ob sich der Unfall so zugetragen hat.
Wir wissen nicht, ob der Unfall hätte verhindert werden können.
Wir wissen nicht, ob das Tragen eines Helmes die Todesfolge hätte abwenden können.

Dieses Ghostbike soll uns an Martin Scheffer erinnern und der Familie, den Radfahrenden und allen Verkehrsteilnehmenden ein Ort des Innehaltens sein.
Es soll an den unnötigen Tod eines Menschen im Straßenverkehr erinnern und alle zur gegenseitigen Rücksicht mahnen.

Bei all dem Unwissen gibt es eine Gewissheit:
Es gibt Leute, die die Trauer der Angehörigen missachten und ohne Rücksicht auf die Gefühle Anderer immer wieder die Gedenktafel mutwillig abreisen und die Ventile entwenden.
Dieses Verhalten ist pietätlos und zu tiefst verstörend



Christa hat diesmal Bilder der Tour eingefangen, danke dafür:
Einige sind auch stilecht weiß gewandet geradelt, passend zu den weiß gestrichenen Ghostbikes. Danke allen, die weß mitgeradelt sind :-) und natürlich allen anderen auch !!!
Der Ride of Silence wurde das erste mal 2003 in Dallas Texas begangen. Inzwischen wird er weltweit in 340 Städten in 20 Ländern immer am 3 Mittwoch im Mai abgehalten. 















Montag, 15. Mai 2023

Ride of Silence am Mittwoch, den 17. Mai 2023

Ride of Silence am Mittwoch, den 17. Mai 2023

Am dritten Mittwoch im Mai findet der weltweite Aktionstag "Ride of
Silence" in Erinnerung an Radfahrende statt, die im Straßenverkehr
getötet wurden. In Karlsruhe ruft der ADFC deswegen zur Teilnahme am
hießigen Ride of Silence auf. Dazu fahren wir schweigend – gerne in weiß
gekleidet – als Fahrraddemonstration zu den drei jüngsten Ghostbikes in
Karlsruhe.

Diese weiß lackierten Fahrräder sind als Mahnmale für Radfahrende
aufgestellt worden, die im Straßenverkehr getötet wurden. Sie sollen auf
die Gefahrenstellen aufmerksam machen und zur Rücksichtsnahme im
Straßenverkehr aufrufen.

Auch in der "Fahrrad(haupt)stadt" Karlsruhe sind die Straßen noch nicht
sicher. Jährlich werden ein bis zwei Radfahrende im Straßenverkehr
getötet. Die Flüssigkeit und Leichtigkeit des Kfz-Verkehrs genießt in
der Straßenverkehrsordnung immer noch einen zu hohen Stellenwert auf
Kosten der Sicherheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmenden. Hunderte
Städte und Gemeinden fordern, selbst entscheiden zu dürfen, auf welchen
Straßen sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h absenken
dürfen. Der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) blockiert wie
auch seine Vorgänger diese Initiative. Unfälle wie der in der
Baumeisterstraße (links abbiegender Radfahrer von hinten gerammt) wären
mit einer ganztägigen Tempo-30-Begrenzung vermeidbar gewesen oder
glimpflicher ausgegangen.

Aber selbst dort, wo die StVO kein direktes Hindernis ist, werden
Gefahrenstellen nicht konsequent entschärft. Zwei Ghostbikes stehen an
Orten, an denen es vorher schon mehrere Schwerverletzte gab oder
Radfahrende wiederholt miteinander auf einem zu schmale Radweg
kollidiert sind. Sobald größere Umbauten erforderlich sind, fehlt der
Wille und das Geld. Der Gemeinderat verwendet die finanziellen Mittel
lieber für die Verflüssigung des Kfz-Verkehrs (Karoline-Luise-Tunnel,
Südumfahrung Hagsfeld), als dass gezielt Unfallhäufungsstellen
entschärft werden.

Die Fahrraddemo startet um 18:00 Uhr auf dem Marktplatz und ist 16,4 km
lang. Sie dauert etwas mehr als zwei Stunden. Unterwegs sind an den
Ghostbikes in der Baumeisterstraße, der Elfmorgenbruchstraße und im
Herdweg gibt es kurze Zwischenkundgebungen geplant. Die Fahrt endet auf
dem Gottesauer Platz. Es wird im üblichen, langsamen Tempo der Critical
Mass gefahren, sodass alle mitkommen. Die Versammlung wird von der
Polizei geschützt.

Musik ist während der Versammlung unerwünscht.

Route wurde geändert. Neue Strecke:

Marktplatz
Karl-Friedrich-Straße
Ettlinger Straße
Baumeisterstraße
Zwischenkundgebung vor Baumeisterstraße 12 auf der Fahrbahn
Baumeisterstraße
Meidingerstraße
Kriegsstraße
Ludwig-Erhard-Allee
Wolfartsweierer Straße
Ostring
Gerwigstraße
Elfmorgenbruchstraße
Zwischenkundgebung an der Einfahrt zum Durlach-Center auf den
Hauptfahrbahnen (beide Fahrtrichtungen)
Elfmorgenbruchstraße
Am Storrenacker
Herdweg
Ghostbike Herdweg (Abzw. Kompostieranlage) – hier wenden
Herdweg
Brückenstraße
Karlsruher Straße
Haid-und-Neu-Straße
Ostring
Rintheimer Straße
Georg-Friedrich-Straße
Gottesauer Platz
Gesamtlänge: 15,0 km

Foto: Michael Reichert









Dienstag, 11. Oktober 2022

50 Radlerinnen und Radler begleiteten das Ghostbike zum Herdweg am 11.10.2022.

Auf dem Kronenplatz auf einem Anhänger stand das neue Ghostbike für die 82-jährige Radlerin, die Ende September auf dem Herdweg zwischen Durlach und Hagsfeld in der Engstelle auf der Brücke über die Autobahn A5 von einem Rollerfahrer touchiert wurde und dabei so unglücklich stürzte, dass sie später im Krankenhaus an den Unfallfolgen verstarb.
Die Ghostbikes sind jedesmal auch ein Mahnmal für mehr gegenseitige Rücksichtsname im Verkehr. 
Jedes neue Ghostbike ist eines zuviel. 
Langsam füllte sich der Kronenplatz. Mit dabei waren auch Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die mit uns zusammen zum Herdweg radelten.

An der Unfallstelle auf der Brücke brannte eine Kerze, Blumen steckten dabei und auch eine Erinnerung an sie.

Das Ghostbike konnten wir diesmal nicht direkt am Ort des Unfalls aufstellen, der Rad- und Fußweg ist einfach zu schmal, es würde in den Radweg hineinragen und so zu einer zusätzlichen Gefahrenstelle.
Am Fuß zur Brücke an der Einmündung in einen Waldweg (gegenüber von Aluplast) fand es an dem Verkehrzeichen seine aktuelle Bleibe.

Dort warteten auch Verwandte von ihr auf die Aufstellung des Ghostbikes.

(Cornelius)

Das Redemanuskript von Michael Reichert könnt ihr im Anschluss an die Bilder lesen, also bis dorthin weiterscrollen:

(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)




Ankunft und Aufstellen des Ghostbikes am Herdweg, im Anschluss an die Bilder könnt ihr die Ansprache von Michael Reichert lesen.





das Ghostbike für Karin am 16.10.2022 



Und hier auch wieder Bilder von Michael Krause vom Weg zur Aufstellung:










13.10.2022
Foto: Jörg Donecker 



Hier die Ansprache von Michael Reichert, beim Aufstellen des Ghostbikes:

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat es in Karlsruhe einen tödlichen Fahrradunfall gegeben. Und es ist wieder einer zu viel.

Mein Name ist Michael Reichert. Ich bin beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club und dem Fuß- und Radentscheid Karlsruhe aktiv. Im Namen von ADFC und Critical Mass überbringe ich unsere Anteilnahme und das aufrichtige Beleid.

Karin Weber, 82 Jahre alt und absolut fit, hatte vor zwölf Jahren ihren Lebensmittelpunkt zu ihrer jüngeren Tochter nach Karlsruhe verlegt. Vor einigen Jahren verkaufte sie ihr Auto. Ständig war sie, bei fast jedem Wetter, mit dem Rad unterwegs – also das, was man eine Alltagsradlerin nennt.

Am Freitag, den 23. September fuhr sie auf dem Geh- und Radweg des Herdwegs von Durlach zu ihrer Wohnung in Hagsfeld. Auf der Brücke über die A 5 wurde sie vom 55-jährigen Fahrer eines auf 25 km/h gedrosselten Motorrollers überholt und dabei vermutlich leicht gestreift. In Folge stürzte sie und wurde schwer verletzt. Am Folgetag starb sie im Krankenhaus.

Aufgrund der Drosselung handelte es sich bei dem Motorroller um ein Mofa im Sinne des Gesetzes, das heißt, es darf außerorts auf Radwegen genutzt werden.

Die Suche nach der Unfallursache sollte damit enden, dass man Mofas von Radwegen verbannt. Sie sollte auch nicht beim Überholvorgang und Fahrfehlern einzelner enden. Solche Unfälle können auch unter Radfahrenden passieren.

Der Geh- und Radweg entlang des Herdwegs ist zwischen Auf der Breit und Am Storrenacker nur auf einer Fahrbahnseite vorhanden. Für Radfahrende ist in beide Richtungen eine Benutzungspflicht angeordnet.

Der Weg ist aber nur 1,9 m breit. Wenn man die Ränder der Asphaltdecke freikratzt, sind es 2,0 m. Auf der Brücke ist es geringfügig mehr. Auf der einen Seite ist eine Leitplanke, auf der anderen eine steile Böschung. Häufig hängen auch noch Zweige auf Kopfhöhe und schränken die Breite weiter ein.

2,0 m sind nach der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung die absolute Mindestbreite für einen Zweirichtungs-Radweg außerhalb geschlossener Ortschaften. Im Regelfall soll dieser 2,4 m breit sein.

Ein Fahrrad wird in den Regelwerken mit einer Breite von 0,8 m angesetzt, das heißt, beim Begegnungsfall bleiben also 40 cm für den Sicherheitsabstand zum Gegenverkehr, für Vegetation, die in den Radweg hängt, und fahrphysikalisch bedingte Schwankungen übrig. Jede Begegnung ist ein Wagnis, jeder Überholvorgang auf diesem Geh- und Radweg – erst recht in der Steigung – ein Lotteriespiel.

Aber auch die übrigen Eigenschaften dieses Radwegs sind fahrradfeindlich: Bei Dunkelheit besteht an der Kuppe Blendgefahr. Richtung Hagsfeld muss man hier auf der linken Straßenseite und damit im Lichtkegel der nach rechts ausgerichteten Abblendlichter fahren.

Der Radweg entlang des Herdwegs ist die direkte Radverkehrsverbindung zwischen Hagsfeld und Grötzingen bzw. Hagsfeld und Durlach. Er ist Teil des Hauptradroutennetzes. 17 Jahre nach der Festlegung dieses Netzes sind mir noch keine Ausbaupläne für dieses problematische Teilstück bekannt.

Es stimmt, eine Verbreiterung des Weges ist nicht einfach. Die 2,0 m genügen auf dem Papier laut Verwaltungsvorschrift. Der Damm müsste verbreitert, vermutlich auch von den angrenzenden Industriebetrieben Flächen erworben werden. Alles gute Ausreden, um einen Ausbau vor sich her zu schieben.

Diese Bequemlichkeit hat jetzt ein Menschenleben gekostet.

Im Bereich des Straßendamms und der Brücke über die Autobahn kann man ohne teure Erdarbeiten den Radweg verbreitern. Man muss nur den Mut haben, die Zweispurigkeit dieser Kreisstraße in Frage zu stellen! Warum sperren wir nicht einfach den Fahrstreifen Richtung Hagsfeld und legen dort einen durch eine Betonleitwand geschützten provisorischen Radweg Richtung Hagsfeld an? Dann hätte jede Fahrtrichtung ihren eigenen Radweg.

Das Blendungsproblem wäre gelöst, die Radwege wären als Einrichtungsradwege beide breit genug. Radfahrende Richtung Hagsfeld würden sich dann die zweimalige Fahrbahnquerung mit entsprechenden Wartezeiten sparen. Der Kfz-Verkehr müsste zwar durch eine Baustellenampel geregelt werden, aber das ist kein Hexenwerk.

Im Ortenaukreis gibt es schon jetzt zwei Landstraßen-Brücken, auf denen ein Fahrstreifen so zum Radweg umfunktioniert wurde.

Anfangs mag es Staus geben, aber irgendwann wird sich ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage einpendeln. Seit der Inbetriebnahme der neuen B 10 als Teilstück der Nordtangente existiert in der Nähe eine gut ausgebaute Alternative. Manche Kraftfahrzeugnutzer werden auf Alternativrouten, andere auf das Fahrrad ausweichen. Wenn das Autofahren nicht mehr schnell ist, ist das Radfahren nicht mehr langsam.

Als ADFC fordern wir daher:

1. einen sofortigen ordentlichen Vegetationsrückschnitt mit Wachstumsreserve und ein Freihalten der absoluten Mindestbreite des Radwegs von 2,0 m

2. Bis zum Ausbau des Radwegs soll ein Blendschutz auf der Leitplanke installiert werden.

3. Die Stadtverwaltung soll die Verbreiterung der Dammkrone prüfen.

4. In einem mindestens drei Monate langen Verkehrsversuch soll ein getrennter Popup-Radweg auf diesem Teilstück erprobt werden. Eine Ampel soll den Kfz-Verkehr währenddessen regeln. Der Verkehrsversuch soll durch Verkehrszählungen in der Umgebung begleitet werden.

 

Ich möchte euch nun bitten, für Karin dreimal zu klingeln und dann eine Schweigeminute für sie abzuhalten.

 

Schweigeminute

 

Ursprünglich hätte diese Zwischenkundgebung direkt am Unfallort stattfinden sollen. Eine Kundgebung im unmittelbaren Sichtbereich der Verkehrsteilnehmenden auf der Autobahn und ein Anbringen des Ghostbikes am Brückengeländer hat uns das Ordnungsamt verboten. Wir stellen es daher erst einmal hier an den Schilderpfosten, bis wir uns mit dem Ordnungsamt auf einen dauerhaften Standort geeinigt haben.


Donnerstag, 6. Oktober 2022

Fahrrademonstration mit Ghostbike-Aufstellung am Dienstag, den 11. Oktober 2022 - Zeugenaufruf

Fahrrademonstration mit Ghostbike-Aufstellung am Dienstag, den 11. Oktober 2022 - Zeugenaufruf

Nachtrag vom 10. Oktober 2022:

Die Versammlungsbehörde hat das Anbringen eines Ghostbikes und von
Bannern an Bundesautobahn-Brückengeländern verboten. Zudem wurde
verfügt, dass die Zwischenkundgebung nicht im unmittelbaren Sichtbereich
der Verkehrsteilnehmenden auf der Bundesautobahn 5 stattfinden darf.

Die Demonstration findet im Übrigen wie geplant statt, wir werden auch
das Ghostbike auf der Demo mit uns führen. Die ursprünglich am Unfallort
auf der Brücke geplante Zwischenkundgebung wird an eine geeignete Stelle
in ausreichender Entfernung verlegt.


Am Freitag den 23. September 2022 stürzte eine 82-jährige Radfahrerin
auf der Brücke des Herdwegs über die A 5, als sie auf dem Geh- und
Radweg vom Fahrer eines Mofas (Motorroller auf 25 km/h gedrosselt) überholt wurde. Sie erlag ihren Verletzungen tags darauf im Krankenhaus. Sie ist die zweite getötete Radfahrer*in in Karlsruhe in diesem Jahr.

Immer noch sucht die Verkehrspolizei Zeugen und insbesondere einen Radfahrer, der kurz vor dem Sturz die 82-Jährige überholt haben soll. Sie sollen sich bei der Autobahnpolizei unter Telefon 0721/944840 melden.

Der ADFC setzt sich für die Vision Zero im Straßenverkehr ein, d.h. null
Schwerverletzte und Getötete. Um diese Forderung zu unterstreichen und
die Verkehrsteilnehmer*innen an das Rücksichtsgebot im Straßenverkehr zu
erinnern, stellen wir am Dienstag, den 11. Oktober 2022 am Unfallort im
Rahmen einer Fahrraddemonstration ein Ghostbike, ein weiß lackiertes
Fahrrad, als Mahnmal auf.

Der dortige Geh- und Radweg ist benutzungspflichtig, aber nur 2,0 m
breit, sodass der Begegnungsverkehr und das Überholen auch für legale
Nutzer*innen jedes Mal ein Wagnis ist. Wir wollen eine gerechtere
Verteilung der Straßenbreite. Die Sicherheit des Fuß- und Radverkehrs
darf nicht der Flüssigkeit des Kfz-Verkehrs untergeordnet sein. Der
dortigen Geh- und Radweg muss auf eine regelwerkskonforme Breite
verbreitert werden. Dies soll zeitnah und nicht erst in zwanzig Jahren
geschehen. Eine tote Radfahrerin ist eine zu viel!

Die Fahrraddemonstration startet um 18:00 Uhr auf dem Kronenplatz und
führt über die Kraftfahrstraße K 9659 (alte B 10) am Bahnhof Durlach
(Westseite) vorbei zum Herdweg. Nach der Ghostbike-Aufstellung mit
Kundgebung geht es über die Elfmorgenbruchstraße und die
Ludwig-Erhard-Allee zurück zum Kronenplatz. Die Strecke ist 14,6 km
lang, wir fahren auf dem Rückweg geringfügig schneller (15 km/h) als die Critical Mass.
Teilnehmende können auch unterwegs hinzustoßen, den aktuellen Standort
findet ihr auf https://criticalmaps.net/map.

Die Demonstration findet während der Dämmerung und Dunkelheit statt.
Alle Fahrräder müssen nach StVZO ausgestattet sein, die Beleuchtung muss
eingeschaltet sein. Musik ist während der Demonstration nicht erwünscht.

Straßenliste:

Kronenplatz
Fritz-Erler-Straße
Kaiserstraße
Durlacher Allee
K 9659 (alte B 10)
Herdweg
Am Storrenacker
Elfmorgenbruchstraße
Gerwigstraße
Ostring
Wolfartsweierer Straße
Oststadtkreisel
Ludwig-Erhard-Allee
Fritz-Erler-Straße
Kronenplatz (Einfahrt von Süden)






Symbolbild | Ghostbike 2022 (BNN)
Mahnmal: Karlsruhes bisher jüngstes Ghostbike erinnert an der Baumeisterstraße beim Badischen Staatstheater an den Radfahrer Martin Scheffer. Foto: Kirsten Etzold

Pressemeldung:
ADFC und Critical Mass stellen im Herdweg ein Ghostbike auf

Für die am 23. September 2022 auf dem Herdweg tödlich verunglückte 
82-jährige Radfahrerin stellen ADFC und Critical Mass im Rahmen einer 
Fahrraddemonstration am Dienstag, den 11. Oktober 2022 ein weiß 
lackiertes Ghostbike als Mahnmal auf der Brücke des Herdwegs über die
A 5 auf. Sie wollen damit ihre Forderung nach null Schwerverletzten und 
Getöteten im Straßenverkehr und mehr Rücksichtnahme durch alle 
Verkehrsteilnehmenden unterstreichen.

Der Unfall ereignete sich auf dem Geh- und Radweg, der dort nur 2,0 m 
breit ist, aber dennoch von Radfahrenden benutzt werden muss. 
Gegenverkehr und Überholvorgänge seien auf dem engen Radweg stets ein 
Wagnis, betont Michael Reichert vom ADFC Karlsruhe.

Die 15 km lange Fahrraddemonstration startet um 18:00 Uhr auf dem 
Kronenplatz und führt über die Durlacher Allee und die Kraftfahrstraße
K 9659 (alte B 10) zum Herdweg. Nach einer Kundgebung am Unfallort geht 
es über die Elfmorgenbruchstraßeund die Ludwig-Erhard-Allee zurück zum 
Kronenplatz. Die Fahrräder müssen beleuchtet sein. Die Veranstalter 
bitten darum, auf Musik zu verzichten.

Auf der A 5 wird während der Ghostbike-Aufstellung der Kfz-Verkehr aus 
Sicherheitsgründen möglicherweise kurzzeitig angehalten.

10.10.2022

BNN 10.10.2022 

Ghostbike am Herdweg erinnert an verstorbene 82-Jährige / Polizei sucht noch Zeugen

Von unserem Redaktionsmitglied

 

Kirsten Etzold

Zur Erinnerung an die 82-jährige Radfahrerin, die bei einem Unfall am 23. September am Herdweg tödlich verletzt wurde, stellen der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und Critical Mass an diesem Dienstag ein weiß lackiertes Ghostbike als Mahnmal auf. Sie unterstreichen damit ihre Forderung, dass im Straßenverkehr unter anderem durch mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer niemand mehr ums Leben kommt oder schwer verletzt wird.

Ein Fahrradkorso startet um kurz nach 18 Uhr am Kronenplatz zum Unfallort auf der Brücke des Herdwegs über die Autobahn 5. Die Teilnehmer fahren über die Durlacher Allee und die ehemalige Bundesstraße 10. Zurück geht es später über die Elfmorgenbruchstraße und die Ludwig-Erhard-Allee. Auf der Autobahn 5 wird der Kfz-Verkehr aus Sicherheitsgründen möglicherweise kurzzeitig angehalten.

Der Unfall ereignete sich auf dem Geh- und Radweg. Er ist dort nur zwei Meter breit, Radfahrer müssen ihn aber benutzen. Möglicherweise hatte ein 55-Jähriger Motorrollerfahrer die Frau angefahren und ihren Sturz verursacht. Gegenverkehr und Überholvorgänge seien auf dem engen Radweg stets ein Wagnis, betont Michael Reichert vom ADFC Karlsruhe.

Weil weiter unklar ist, wie der Unfall genau ablief, bittet die Polizei noch immer Zeugen, sich unter der Telefonnummer 
(07 21) 94 48 40 zu melden.

Freitag, 29. Juli 2022

Critical Mass FR 29.07.2022 Rückblick. 278 Radlerinnnen und Radler waren dabei. BNN Artikel

Critical Mass FR 29.07.2022 zum Real-Labor Karlstraße Nord Rückblick
278 Radlerinnnen und Radler waren dabei.


Das Ghostbike als Mahnmal für Martin kommt am Theater an. (Foto Cornelius Berkmann)

Es war eine nachdenkliche Critical Mass heute.
Anlass war das Gedenken an Martin, der im Mai mit seinem Fahrrad verunglückte und Anfang Juni an den Unfall-Folgen verstarb. 

Dieser Anlass prägte auch den sehr emotionalen Eröffnungsvortrag von Jana von FFF auf dem Kronenplatz.

Sie beschrieb ihre Vision einer sicheren Mobilität, wo das Fahrrad das Verkehrsmittel der Wahl ist, wo ihm Raum und Schutz gegeben wird. Heute wird von vielen Radfahren als unsicher, gefährlich empfunden. Und so umgibt man sich mit der Sicherheit des Autos. Das Ziel muss sein, dass es Autobahnen für Fahrräder gibt, die sicher und schnell die Orte der Welt verbinden. Ohne das Klima zu zerstören.
Wie sich das anfühlt, konnte man später im Westen von Karlsruhe erleben, als es auf der B36 in die Nordweststadt ging.

Aber die erste Station war zunächst die Theaterzufahrt in der Baumeisterstraße. Auf einem Anhänger brachte Michael das Ghostbike, das später an einem Verkehrsschild dauerhaft angeschlossen wurde.
In seiner Rede ging Michael zunächst auf den Unfallhergang ein, wie er im Polizeibericht sachlich geschildert wurde. 
Zum Unfallhergang siehe die Pressemeldung der Polizei zum Unfall:


Sodann kritisierte er, dass dem Radfahrer die Schuld gegeben wurde, weil er angeblich den rückwärtigen Verkehr nicht genügend beachtet hatte.
(Cornelius)

Hier die Rede von Michael Reichert im Original:

Ghostbike-Aufstellung am 29. Juli 2022 in der Baumeisterstraße in Karlsruhe

 

Wieder hat es in Karlsruhe einen tödlichen Fahrradunfall gegeben. Es ist zwar der erste in diesem Jahr hier in der Stadt, aber dennoch wieder einer zu viel.

 

Mein Name ist Michael Reichert. Ich bin beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club und dem Fuß- und Radentscheid Karlsruhe aktiv. Im Namen der Critical Mass überbringe ich unsere Anteilnahme und das aufrichtige Beleid.

Zum Unfallhergang schrieb die Polizei in ihrer Pressemitteilung:

Am 21. Mai sei er, 58 Jahre alt, gegen 7:45 Uhr mit dem Fahrrad auf der Baumeisterstraße Richtung Osten gefahren. Auf Höhe der Einfahrt zum Staatstheater habe er nach links abbiegen wollen. Hierzu habe er Handzeichen gegeben und offenbar unmittelbar danach zum Überqueren der Straße eingelenkt, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Anschließend sei eine 65-jährige Frau mit ihrem Auto mit ihm kollidiert. Er sei, so drückt es die Polizei aus, "aufgeladen" und über die Straße geschleudert worden. Schwere Kopfverletzungen habe er erlitten. Die Polizeimeldung endet mit den Worten, dass er keinen Helm getragen habe.

Am 3. Juni starb Martin Scheffer, Bühnenhandwerker im Staatstheater, im Krankenhaus.

Laut Auskunft der Polizei hat der hinzugezogene Gutachter den Unfallhergang mittlerweile bestätigt. Es laufen noch strafrechtliche Ermittlungen gegen die Autofahrerin.

Die Pressemitteilung der Polizei ist nicht in Ordnung. Ihre Wortwahl ist unangemessen. Akkus, Kisten oder Paletten werden aufgeladen. Menschen werden nicht aufgeladen, sie werden gerammt und durch die Luft geschleudert.

Die Pressemitteilung schob einem der beiden Unfallbeteiligten die Schuld zu, ohne dass die Untersuchungen zum Unfallhergang abgeschlossen waren. Sie verschwieg, dass Martins Fahrrad einen Rückspiegel hatte. Dieser sei, so sagte mir seine Witwe, auch am Unfallort gefunden worden. Auch seine beiden Rennräder hätten einen Rückspiegel gehabt. Die Angehörigen sind darüber verärgert, dass die Pressemitteilung derart einseitig ausfiel. Denn, wer einen Rückspiegel hat, braucht seinen Kopf nicht zu drehen und für den Kfz-Verkehr links neben einem hat man Ohren.

Dementsprechend fahrradfeindlich fiel die Diskussion auf der Facebook-Seite des Polizeipräsidiums Karlsruhe aus. Sie, die Fahrradfahrer, seien selber schuld, wenn sie selbstmörderisch ohne zu schauen, abbiegen würden. Hier wünsche ich mir, dass die Pressestelle der Polizei, die dieses Forum betreibt, moderierend eingreift.

Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird. Das steht so 1:1 in Paragraph 1 StVO. Das heißt, Linksabbieger müssen ihrerseits auf nachfolgenden Verkehr achten. Der nachfolgende Verkehr, hier die Autofahrerin, muss aber so fahren, dass ihre Fahrweise niemanden gefährdet. Tempo 50 heißt nicht, 50 fahren zu müssen. Wenn die Sonne einen blendet und man nicht gescheit sieht, muss man entsprechend langsamer fahren.

Die Polizei wirbt gern und andauernd für Fahrradhelme. Dieser Hinweis ist hier unangebracht. Helme verhindern keine Unfälle, sie reduzieren höchstens die Folgen. Sie sind aber auch nicht für die Kräfte, die bei Unfällen wie diesem wirken, gemacht. Sie sind für Stürze in Radfahrgeschwindigkeit gemacht, also weniger als 20 km/h, gegen feste Hindernisse, z.B. Bordsteine und Mauern. Gegen die kinetische Energie von 50 km/h genügt kein dünne Styropor-Verpackung.

Was verhindert dann diese Unfälle? Es gibt kein Patentrezept gegen diese Ramm-Unfälle beim Linksabbiegen. Auch wenn Radwege durch hohe Bordsteine oder Poller-Reihen von der Fahrbahn getrennt sind, muss man irgendwann links abbiegen. In Dänemark ist das wie hier praktizierte "direkte Linksabbiegen" verboten. Dort müssen Radfahrende erst geradeaus über die Kreuzung fahren, um dann links abbiegen zu dürfen. Das darf aber nicht die Lösung sein. Die Gefahr geht vom Autoverkehr aus, nicht von den Radfahrenden.

Ein gewaltiger Schritt zu mehr Sicherheit wäre eine geringere Geschwindigkeit. Bei Tempo 50 sterben 7 von 10 überfahrenen Fußgängern, bei Tempo 30 nur noch jeder Dritte. Weitere Unfälle werden schon dadurch vermieden, weil die Anhaltewege kürzer sind. Das gilt auch für andere ungeschützte Verkehrsteilnehmer, z.B. Radfahrende.

Wer Sicherheit für ungeschützte Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer will, muss sich für langsames Fahren einsetzen. Tempo 30 hätte hier diesen Unfall verhindern oder die Folgen abmildern können. Die Bundesverkehrsminister wollen aber nicht, dass Unfälle verhindert werden. Die von ihnen erlassene StVO gestattet Tempo 30 auf Hauptstraßen nur bei einer qualifizierten örtlichen Gefahrenlage. Eine solche existiert erst nach Unfällen. Das heißt, es muss an diesen Orten Menschenopfer geben, damit der Verkehr dort sicherer wird.

Ich möchte die Stadtverwaltung hiermit bitten, Tempo 30 für die Straßen zu prüfen, die wie die Baumeisterstraße Straßenbahnschienen in der Fahrbahn und einen Radfahrstreifen am Rand haben. Ein weißer Trennstrich ist keine Infrastruktur. Tagtäglich gefährden Falschparker auf diesen Radfahrstreifen Radfahrende und zwingen sie zum Ausweichen in den Gleisbereich und den fließenden Kfz-Verkehr. Wenn die Stadtverwaltung diese Radfahrstreifen nicht durch Poller schützen möchte und nicht in der Lage ist, dem Falschparken durch konsequentes Einschreiten Herr zu werden, bleibt nur noch Tempo 30 übrig.

Das heißt Tempo 30 für Baumeisterstraße, Karlstraße, Rüppurrer Straße, Moltkestraße, Haid-und-Neu-Straße, Karl-Wilhelm-Straße und Kapellenstraße jetzt!

Ich möchte euch nun bitten, für den Verstorbenen dreimal zu klingeln und dann eine Schweigeminute für ihn abzuhalten. Anschließend stellen wir das Ghostbike auf und fahren weiter über Mühlburg und die Nordweststadt zum Reallabor in der Karlstraße.

 

Oben erwähnte Facebook-Diskussion:

https://www.facebook.com/PolizeipraesidiumKarlsruhe%20/photos/a.462403477140496/5040323472681784/


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Christa unterhielt sich noch mit einem Freund von Martin. Er beschrieb ihn als einen sportliche Mensch, der immer flott auf dem Rad unterwegs war, aber trotzdem immer auf Sicherheit achtete. Er war auf dem Weg zur Arbeit im Theater, er bog wie immer zum Theater ab, achtete darauf, die Schienen senkrecht zu queren. Aber an diesem Morgen geschah das Unfassbare. Ein Rettungswagen war sofort zur Stelle und versorgte ihn, ...  "Martin, du fehlst" seht jetzt auf die Straße gemalt.

Die Critical Mass startete. Radelten wir bis jetzt ohne Musik, wurden jetzt wieder allmählich die Boxen eingeschaltet. Die Nachdenklichkeit wich der Entspannung.

Als wir, diesmal bei bestem Sommerwetter, im Real-Labor Karlstraße Nord ankamen, herrschte ausgelassene Stimmung, die Straße wurde von unseren Boxen beschallt.

Passt alle gut auf euch auf und bleibt gesund !

Hier noch Bilder von Christa vom Start und Ende diese Critical Mass.
Kronenplatz
Die folgenden Bilder sind von Klaus


und Ende in der Karlstraße Nord

Und hier wieder die Bilder von Michael Krause:

















































BNN vom 01.08.2022
Radfahrer erinnern an tödlichen Unfall

Während der Critical-Mass-Demo wird am Staatstheater ein „Ghost Bike“ aufgestellt

Von unserem Mitarbeiter

 

Georg Patzer


Ruhige Angelegenheit: Die teilnehmenden Radfahrer verhalten sich auf dem Weg zum Unfallort absichtlich still. Foto: Jörg Donecker

Die Fahrraddemo Critical Mass hat an den ersten tödlichen Verkehrsunfall mit einem Radler in Karlsruhe in diesem Jahr erinnert. Am 3. Juni starb der 58-jährige Martin Scheffer, Bühnenarbeiter am Staatstheater. Er war am 21. Mai von einer 65-jährigen Autofahrerin angefahren worden, als er auf der Baumeisterstraße links abbog, auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz. Am Freitagabend war das für die Fahrraddemo der Anlass, gegenüber des Unfallorts ein „Ghost Bike“ anzuketten, das an den tödlichen Verkehrsunfall erinnern soll. Schon vorher waren bunte Graffiti auf die Straße gesprüht worden: „Martin, du fehlst“, steht dort.

Nach einer eher stillen Demonstrationsfahrt zum Staatstheater kritisierte Michael Reichert, Mitglied beim ADFC und dem Fuß- und Radentscheid Karlsruhe, zunächst die einseitige Berichterstattung der Polizei: „Die Pressemitteilung schob einem der beiden Unfallbeteiligten die Schuld zu, ohne dass die Untersuchungen zum Unfallhergang abgeschlossen waren. Sie verschwieg, dass Martins Fahrrad einen Rückspiegel hatte.“ In der Mitteilung habe gestanden, der Radfahrer habe Handzeichen gegeben und unmittelbar danach die Straße überquert, ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Anschließend sei eine 65-jährige Autofahrerin mit ihm kollidiert. Die Ermittlungen gegen sie sind noch nicht abgeschlossen. 

Vor allem kritisierte Reichert den letzten Satz der Pressemitteilung: „Einen Helm trug er nicht.“ Er kommentierte: „Die Polizei wirbt gern und andauernd für Fahrradhelme. Dieser Hinweis ist hier unangebracht. Helme verhindern keine Unfälle, sie reduzieren höchstens die Folgen. Sie sind aber auch nicht für die Kräfte, die bei Unfällen wie diesem wirken, gemacht. Sie sind für Stürze in Radfahrgeschwindigkeit gemacht, also weniger als 20 km/h, gegen feste Hindernisse, beispielsweise Bordsteine und Mauern. Gegen die kinetische Energie von 50 km/h genügt keine dünne Styropor-Verpackung.“ Und er bat angesichts des Todesfalls die Stadtverwaltung, Radwege besser zu schützen und „Tempo 30 für die Straßen zu prüfen, die wie die Baumeisterstraße Straßenbahnschienen in der Fahrbahn und einen Radfahrstreifen am Rand haben“. Nach der kurzen Kundgebung fuhren die laut Polizeischätzung knapp 300 Teilnehmer weiter über die Nordstadt und zur Karlstraße.