Donnerstag, 22. April 2021

ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021

 ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021


Radfahrerclub wächst mit seinen Aufgaben

Jennifer Deck will als Mitglied Nummer 2.000 bessere Radwege und Problemlösungendurchsetzen

Von unserem Redaktionsmitglied

 

Kirsten Etzold

24 Jahre jung, berufstätig, engagiert: Jeder Verein reißt sich um neue Aktive wie Jennifer Deck. Tja, das Rennen ist erstmal gelaufen: Die Fahrradpendlerin aus Knielingen hat sich entschieden. Sie ist jetzt Mitglied Nummer 2.000 beim Regionalverband Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Ich will mich für die Fahrradpolitik in Karlsruhe einsetzen“, kündigt Deck an. „In dieser Stadt müssen Radfahrer eine stärkere Stimme haben.“

Nie hat der ADFC in der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands mehr Menschen angezogen als jetzt. Das Corona-Jahr 2020 trieb beim ADFC Karlsruhe die Mitgliederzahl um rund 330 Einzelpersonen nach oben, ein Rekordzuwachs. In den zurückliegenden drei Jahren erreichte die Zunahme insgesamt knapp 700, dabei sind Austritte und Neumitgliedschaften schon miteinander verrechnet. Knapp die Hälfte der heutigen ADFC-Mitglieder des Regionalverbandes, mindestens 940 Menschen, sind überhaupt erst seit maximal fünf Jahren dabei. Und der Trend setzt sich fort: Seit Januar sind schon wieder knapp 80 Neumitglieder dazugekommen – wie Deck.

„Ich fahre täglich mit dem Rad zur Arbeit in die Brauerstraße und erledige meine Wege auch sonst bei jedem Wetter mit dem Fahrrad. Da bin ich schneller als mit dem Auto und flexibler als mit der Bahn“, sagt die Angestellte des Jobcenters. Werktags steigt sie um 6 Uhr aufs Rad. „Das ist schon eine Überwindung“, gesteht sie, „aber nach fünf Minuten bin ich warm, und es ist gut fürs Immunsystem.“ In Karlsruhe gebe es schon viele gute Radwegabschnitte, zum Beispiel ein komplett neu gestaltetes Streckenstück an der Siemensallee. Das reicht aber nicht, findet die Knielingerin: „Meine Vision ist, dass es überall so aussieht.“ Bis dahin sei noch viel zu modernisieren und zu reparieren. 

„Manche Schlaglöcher sind nicht nur ärgerlich, sondern bei Nässe und Laub auch gefährlich“, mahnt Deck. „Ich möchte gern mit erarbeiten, wo es Problemzonen gibt, mit Ideen zur Lösung beitragen und die dann auch durchsetzen.“ Auf die Erfahrungen ist sie gespannt: „Mal schauen, wo es klemmt.“

Die Neue bekommt nicht nur Blumen und ein Erinnerungsfoto beim Extratermin in der Geschäftsstelle des ADFC in der Südweststadt. Der Vorsitzende Ulrich Eilmann codiert auch gleich ihr himmelblaues Fahrrad, ein Modell in Retro-Optik. Dieser Service des ADFC läuft trotz Pandemie und ist sehr gefragt. Seit Ende März haben in Karlsruhe bereits wieder 55 Menschen als Vorbeugemaßnahme gegen Diebstahl ihr Fahrrad mit der zusätzlichen Kennziffer am Rahmen ausstatten lassen. 

„Wir agieren wie Reparaturwerkstätten, alles läuft nur mit Termin und Abstandsregel“, erklärt Eilmann. Zusätzlich schützen in der ebenerdigen Geschäftsstelle in der Welfenstraße ein Empfangstresen mit Plexiglasscheibe, die sperrangelweit offenstehende Eingangstür und neuerdings ein Sensor, der den Kohlendioxidgehalt im Raum misst.

Vom ursprünglichen Anbieter geführter Feierabend- und Wochenendtouren per Fahrrad hat sich der ADFC in Karlsruhe zu einem Lobbyverband entwickelt, der vor Ort beachtet und gehört wird wie die Dachverbände auf Landes- und Bundesebene. Zu Serviceangeboten wie Reparaturkursen, der Codierung und Radfahrtrainings ist eine immer aktivere verkehrs- und umweltpolitische Einflussnahme gekommen.

Eilmann ist seit 2012 Karlsruher ADFC-Mitglied. Er hat teils beobachtet, teils miterlebt, wie stark sich der Club in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat. „Der ADFC hat damals in sich selbst geruht“, erinnert er sich an seinen Eindruck im ersten Jahr der Mitgliedschaft. „Man war zufrieden, die Truppe war homogen, es war aber auch ein engerer Zusammenhalt.“ Für die Mitgliederversammlungen reichte der kleine Raum des Umweltzent-rums in der Kronenstraße.

Zum massiven Wachstum der vergangenen fünf Jahre passt auch, dass der ADFC in der Technologieregion Karlsruhe mehr Gewicht gewinnt. In Ettlingen und Bretten etwa sind Clubmitglieder inzwischen sehr aktiv. „Der Landkreis wird jetzt lebendiger“, stellt Eilmann fest. Da gebe es keine Konkurrenz, stattdessen erhielten die gemeinsamen Anliegen mehr Gewicht. Auch die „stolze schöne Zahl“ von 2.000 Mitgliedern werde dazu beitragen. Austritte seien selten, Corona-Krise hin oder her, so Eilmann: „An der Mitgliedschaft wird offensichtlich nicht gespart.“


Hintergrund:

In der Konkurrenz mit Freiburg, der Stadt, die sich seit 2018 mit Karlsruhe ein knappes Wettrennen um die von Bürgern attestierte Fahrradfreundlichkeit liefert, hat der ADFC Karlsruhe mit seinen aktuell 2.000 Mitgliedern deutlich die Nase vorn. Der ADFC-Landesverband in Stuttgart meldet aktuell für den ADFC Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald/Emmendingen 1.733 Mitglieder, gefolgt von Heidelberg mit dem Rhein-Neckar-Kreis (1.110), Mannheim (847) sowie Stadt und Landkreis Ulm (820). In der Landeshauptstadt selbst ist der Verein allerdings am stärksten und quasi eine Klasse für sich: Dort gibt es knapp 2.400 ADFC-Mitglieder. ke

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