Freitag, 8. Januar 2021

Diskussion zum Radfahren, Autofahren in Leserbriefen der BNN

Diskussion zum Radfahren, Autofahren in Leserbriefen der BNN


BNN 08.01.2021
Radler verursachen keine Staus

von Stefan Krickeberg Karlsruhe-Nordstadt:

Zum Leserbrief: „Mehr Toleranz wäre schön“ vom 21. Dezember:

Liebe Verfasserin des Leserbriefs, Sie sollten Ihren Ärger vielleicht besser auf die Verursacher der Staus richten: die vielen Autofahrer, die im Auto durch die Stadt fahren, obwohl sie keineswegs auf das Auto angewiesen wären. 
Alle Maßnahmen zu Verbesserung der Fahrradinfrastruktur helfen auch denjenigen, die mit dem Auto fahren müssen. Je mehr Menschen das Auto stehen lassen, desto mehr Platz gibt es für diejenigen, die dann noch Auto fahren. So einfach ist das. Das ist nicht eine wilde Hoffnung von ein paar Öko-Verblendeten, sondern das sind Erfahrungen aus etlichen großen Städten. 
Und: Bisher gibt es in Karlsruhe keine überbreiten Fahrradwege. Es gibt immer noch jede Menge viel zu schmale Radwege und einige gute in der Stadt. Mehr gute als in vielen anderen Städten. Für die bin ich dankbar, aber es ist noch viel Luft nach oben.


BNN 21.12.2020
Mehr Toleranz wäre schön

von Ingrid Böser-Schwarz Karlsruhe-Mühlburg

Zu „Schimpftirade in sozialen Medien“ (26.11.) und Leserbriefe „An die Gesundheit denken“ (3.12.) und „Raus aus der Komfortzone“ (4.12.):

Natürlich ist es eine gute Sache, überall breite, sichere und gerne auch stellenweise überbreite Radwege anzulegen, „sofern“ - wie die BNN selbst schreiben - „genügend Platz vorhanden ist“. In der Rheinstraße wurde allerdings eine ganze Abbiegespur für Autofahrer zugunsten der Radstreifen-Verbreiterung geopfert.
Die gesamte Rheinstraße ist jetzt für den Autoverkehr nur noch einspurig befahrbar. Kaiserallee und Rheinstraße stellen eine Hauptverkehrsachse dar. Der von Osten kommende Autoverkehr drängt sich nun auf einer Fahrspur, einschließlich des Abbiegeverkehrs in die „Kleine Rheinstraße“, der zudem den Fußgängern am Zebrastreifen Vorrang gewähren muss. Es geht hier nicht um „ein paar Minuten Zeitverlust“, sondern um eine unglaubliche Luftverpestung durch bewusst herbeigeführten Dauerstau. 
Niemand bestreitet, dass Radfahren umweltschonend und gesund ist, aber leider sind viele Menschen aufs Auto angewiesen. Viele ältere, aber auch jüngere, nicht mehr so mobile Menschen fühlen sich mittlerweile von den Verkehrsplanern und auch von Seiten der „Nur-Radfahrer“ diskriminiert. Ich wünsche mir mehr Toleranz und weniger ideologische Belehrung sowie ein rücksichtsvolles Miteinander der verschiedenen Verkehrsteilnehmer-Gruppen.

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Anmerkung von mir, Toleranz ist der Schlüssel, um gemeinsam etwas zu erreichen.
Die Mobilität in der Stadt besteht eigentlich aus 4 Säulen ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger und Fußgängerinnen und Auto.
Bis Anfang 2020 waren wir auf einem sehr guten Weg, Fahrrad, ÖPNV steigerte sich immer weiter und mit eigenem Verhalten, der eigenen Begeisterung, der Critical Mass und anderen Aktionen konnte man die Verkehrswende befeuern.

Doch dann kam die Corona-Pandemie. Hier zahlte sich die Begeisterung für das Fahrrad aus. Die Menschen erkannten noch mehr, dass das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel ist, flexibel, schnell und vor allem gesund und diese Art der Fortbewegung ist sicher vor Infektionen, wenn man Abstand wahrt, und wenn es mal enger wird, man auch die Maske aufzieht.
So bleibt man gesund und stärkt zudem sein Immunsystem, viele Möglichkeiten für Sport sind ja zur Zeit eingeschränkt.
So weit, so gut und hoffnungsvoll für Gesundheit und Klima.

Aber ... 

Die Säule ÖPNV ist zum Großteil weggebrochen. Busse und Bahnen werden gemieden, im Berufsverkehr dicht zusammen zu fahren, erfordert ein starkes Abwägen des eigenen Sicherheitsbedürfnisses. Das eigene Auto wird wieder verstärkt zum Verkehrsmittel der Wahl.
Fahrrad und Auto konkurrieren wieder verstärkt um Verkehrsraum.
In Diskussionen höre ich mir die Sicherheitsbedenken an, warum wieder das Auto verstärkt genutzt wird. Dabei ist Toleranz wirklich wichtig, auch das Verstehen der Beweggründe. Durch Konfrontation und erhobenem Zeigefinger erreicht man die Entwicklung eines Lagerdenkens zwischen Menschen, die Fahrrad oder Auto fahren. Die einen werden als moralische Besserwisser abgelehnt von den anderen, die sich von diesen diskriminiert fühlen, weil sie im Auto unterwegs sind. 
Das ist auf Dauer kontraproduktiv, das, was bis jetzt im Bewusstsein an ökologischem Denken und Tun erreicht wurde, geht darüber zurück und muss mühsam wieder zurück aufgebaut werden.  

Denn die Pandemie wird besiegt werden und irgendwann vorbei sein. Der Klimawandel schreitet weiter fort und verschwindet nicht. Hier brauchen wir alle Menschen mit der Solidarität, die wir in der Pandemie ja in der Masse so gut beweisen und lernen.
Leben wir jede und jeder mit unserem Beispiel vor, was möglich ist. Und bleiben wir dabei tolerant, um andere mitnehmen zu können, andere begeistern zu können und nicht abzuschrecken oder auszugrenzen.
Es ist unser aller Zukunft.

Und jetzt bleibt alle gesund und blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Den mit dieser Zuversicht und gegenseitigem respektieren können wir zusammen Kräfte freisetzen; das geht mir durch den Kopf, Cornelius :-)