Dienstag, 27. April 2021

Grüne drängen auf mehr Sicherheit auf Rad- und Fußwegen (BNN 27.04.2021)

Grüne drängen auf mehr Sicherheit auf Rad- und Fußwegen (BNN 27.04.2021)


Grüne machen Druck

BNN – In einem Antrag fordert die Grüne Gemeinderatsfraktion, die städtische Abschlepprichtline an den Vorgaben des Landesverkehrsministeriums auszurichten. Insbesondere solle darauf geachtet werden, dass Geh- und Radwege ohne Behinderung nutzbar sind, so die Fraktion in einer Mitteilung. Ein ausreichender Abstand parkender Autos zu Kreuzungen solle sichere Alltags- und Schulwege ermöglichen. Auch an Standorten wie Feuerschutzzonen, Fußgängerzonen, Behindertenparkplätzen, E-Ladeplätzen sowie Anwohnerparkplätzen soll konsequent kontrolliert und abgeschleppt werden.
„Falsch geparkte Autos behindern nicht nur die Wege von anderen Verkehrsteilnehmenden, sie gefährden auch die Sicherheit von zu Fuß Gehenden oder Radfahrenden“, so Aljoscha Löffler, Vorsitzender Fraktion. „Zwar wurden die städtischen Abschlepprichtlinien zum 1. März geändert. Doch die Möglichkeiten, die ein Erlass des Landesverkehrsministeriums gibt, wurden bei weitem nicht ausgeschöpft.“ Der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Johannes Honné ergänzt, dass Karlsruhe beim ADFC-Fahrradklimatest in der Kategorie „Falschpark-Kontrolle auf Radwegen“ mit 4,3 die schlechtere Note erhalten habe. Die Verwaltung solle die im Erlass genannten Handlungsspielräume vollumfänglich ausschöpfen, so die Grünen. Nur so könne eine gleichberechtigte Nutzung des Verkehrsraums ermöglicht und eine Verlagerung des Verkehrs hin zum Fahrrad erreicht werden.







Donnerstag, 22. April 2021

ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021

 ADFC Fahrradclub wächst mit seinen Aufgaben BNN 21.04.2021


Radfahrerclub wächst mit seinen Aufgaben

Jennifer Deck will als Mitglied Nummer 2.000 bessere Radwege und Problemlösungendurchsetzen

Von unserem Redaktionsmitglied

 

Kirsten Etzold

24 Jahre jung, berufstätig, engagiert: Jeder Verein reißt sich um neue Aktive wie Jennifer Deck. Tja, das Rennen ist erstmal gelaufen: Die Fahrradpendlerin aus Knielingen hat sich entschieden. Sie ist jetzt Mitglied Nummer 2.000 beim Regionalverband Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). „Ich will mich für die Fahrradpolitik in Karlsruhe einsetzen“, kündigt Deck an. „In dieser Stadt müssen Radfahrer eine stärkere Stimme haben.“

Nie hat der ADFC in der fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands mehr Menschen angezogen als jetzt. Das Corona-Jahr 2020 trieb beim ADFC Karlsruhe die Mitgliederzahl um rund 330 Einzelpersonen nach oben, ein Rekordzuwachs. In den zurückliegenden drei Jahren erreichte die Zunahme insgesamt knapp 700, dabei sind Austritte und Neumitgliedschaften schon miteinander verrechnet. Knapp die Hälfte der heutigen ADFC-Mitglieder des Regionalverbandes, mindestens 940 Menschen, sind überhaupt erst seit maximal fünf Jahren dabei. Und der Trend setzt sich fort: Seit Januar sind schon wieder knapp 80 Neumitglieder dazugekommen – wie Deck.

„Ich fahre täglich mit dem Rad zur Arbeit in die Brauerstraße und erledige meine Wege auch sonst bei jedem Wetter mit dem Fahrrad. Da bin ich schneller als mit dem Auto und flexibler als mit der Bahn“, sagt die Angestellte des Jobcenters. Werktags steigt sie um 6 Uhr aufs Rad. „Das ist schon eine Überwindung“, gesteht sie, „aber nach fünf Minuten bin ich warm, und es ist gut fürs Immunsystem.“ In Karlsruhe gebe es schon viele gute Radwegabschnitte, zum Beispiel ein komplett neu gestaltetes Streckenstück an der Siemensallee. Das reicht aber nicht, findet die Knielingerin: „Meine Vision ist, dass es überall so aussieht.“ Bis dahin sei noch viel zu modernisieren und zu reparieren. 

„Manche Schlaglöcher sind nicht nur ärgerlich, sondern bei Nässe und Laub auch gefährlich“, mahnt Deck. „Ich möchte gern mit erarbeiten, wo es Problemzonen gibt, mit Ideen zur Lösung beitragen und die dann auch durchsetzen.“ Auf die Erfahrungen ist sie gespannt: „Mal schauen, wo es klemmt.“

Die Neue bekommt nicht nur Blumen und ein Erinnerungsfoto beim Extratermin in der Geschäftsstelle des ADFC in der Südweststadt. Der Vorsitzende Ulrich Eilmann codiert auch gleich ihr himmelblaues Fahrrad, ein Modell in Retro-Optik. Dieser Service des ADFC läuft trotz Pandemie und ist sehr gefragt. Seit Ende März haben in Karlsruhe bereits wieder 55 Menschen als Vorbeugemaßnahme gegen Diebstahl ihr Fahrrad mit der zusätzlichen Kennziffer am Rahmen ausstatten lassen. 

„Wir agieren wie Reparaturwerkstätten, alles läuft nur mit Termin und Abstandsregel“, erklärt Eilmann. Zusätzlich schützen in der ebenerdigen Geschäftsstelle in der Welfenstraße ein Empfangstresen mit Plexiglasscheibe, die sperrangelweit offenstehende Eingangstür und neuerdings ein Sensor, der den Kohlendioxidgehalt im Raum misst.

Vom ursprünglichen Anbieter geführter Feierabend- und Wochenendtouren per Fahrrad hat sich der ADFC in Karlsruhe zu einem Lobbyverband entwickelt, der vor Ort beachtet und gehört wird wie die Dachverbände auf Landes- und Bundesebene. Zu Serviceangeboten wie Reparaturkursen, der Codierung und Radfahrtrainings ist eine immer aktivere verkehrs- und umweltpolitische Einflussnahme gekommen.

Eilmann ist seit 2012 Karlsruher ADFC-Mitglied. Er hat teils beobachtet, teils miterlebt, wie stark sich der Club in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat. „Der ADFC hat damals in sich selbst geruht“, erinnert er sich an seinen Eindruck im ersten Jahr der Mitgliedschaft. „Man war zufrieden, die Truppe war homogen, es war aber auch ein engerer Zusammenhalt.“ Für die Mitgliederversammlungen reichte der kleine Raum des Umweltzent-rums in der Kronenstraße.

Zum massiven Wachstum der vergangenen fünf Jahre passt auch, dass der ADFC in der Technologieregion Karlsruhe mehr Gewicht gewinnt. In Ettlingen und Bretten etwa sind Clubmitglieder inzwischen sehr aktiv. „Der Landkreis wird jetzt lebendiger“, stellt Eilmann fest. Da gebe es keine Konkurrenz, stattdessen erhielten die gemeinsamen Anliegen mehr Gewicht. Auch die „stolze schöne Zahl“ von 2.000 Mitgliedern werde dazu beitragen. Austritte seien selten, Corona-Krise hin oder her, so Eilmann: „An der Mitgliedschaft wird offensichtlich nicht gespart.“


Hintergrund:

In der Konkurrenz mit Freiburg, der Stadt, die sich seit 2018 mit Karlsruhe ein knappes Wettrennen um die von Bürgern attestierte Fahrradfreundlichkeit liefert, hat der ADFC Karlsruhe mit seinen aktuell 2.000 Mitgliedern deutlich die Nase vorn. Der ADFC-Landesverband in Stuttgart meldet aktuell für den ADFC Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald/Emmendingen 1.733 Mitglieder, gefolgt von Heidelberg mit dem Rhein-Neckar-Kreis (1.110), Mannheim (847) sowie Stadt und Landkreis Ulm (820). In der Landeshauptstadt selbst ist der Verein allerdings am stärksten und quasi eine Klasse für sich: Dort gibt es knapp 2.400 ADFC-Mitglieder. ke

Mittwoch, 7. April 2021

SWR Umfrage zur Radnutzung

SWR Umfrage zur Radnutzung




  1.  SWR Aktuell

    SWR-DATENANALYSE ZUR FAHRRADNUTZUNG

  1. Viele Autos - Schlechte Wege - Radler fühlen sich oft unsicher
Stand 4.4.2021, 12:43 UHR

Deutschland ist keine Fahrradfahrnation. 40 Prozent sind nie mit dem Rad unterwegs. Und denen, die es sind, ist nicht immer wohl dabei. Dabei haben die Menschen konkrete Ideen, wie ihnen mehr Lust aufs Rad gemacht werden könnte.

Mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland gehen als richtige Fahrradmuffel durch. Sie steigen nie bis selten auf das Fahrrad. Das ergibt eine aktuelle, repräsentative Umfrage, die das Berliner Umfrageinstitut Infratest Dimap im Auftrag des SWR in Deutschland durchgeführt hat. Nur für jeden Zehnten ist das Fahrrad demnach täglicher Begleiter, knapp ein Drittel steigt zumindest mehrmals im Monat aufs Rad.

Vor allem Senioren meiden das Fahrrad

Teils große Unterschiede gibt es hinsichtlich des Alters: So sind die aktivsten Radfahrer in der mittleren Altersgruppe zu finden. Fast zwei Drittel aller Senioren gaben an, niemals Rad zu fahren. Geht man nach Geschlechtern, zeigen sich Männer etwas aktiver als Frauen. Bei der Parteipräferenz führen nicht etwa Anhänger der Grünen, sondern der Linken knapp die Liste an.

Corona wirkt sich wenig auf den Radverkehr aus

Weniger Aufschwung als vielleicht vermutet hat die Corona-Pandemie bislang dem Radverkehr gebracht. Zwar gab fast jeder Zehnte an, seit dem Beginn der Pandemie häufiger aufs Rad zu steigen. Genauso viele Menschen sagten aber, das Fahrrad nun weniger zu nutzen. Für den Rest änderte sich nicht viel. Zu den Gruppen, die am ehesten aufs Rad umstiegen, zählen beispielsweise die Jüngeren. Unter denen, die im Gegensatz dazu vom Rad eher auf andere Verkehrsmittel umstiegen, fanden sich überdurchschnittlich viele FDP-Anhänger.

Nach dem Ende der Pandemie wollen fast 80 Prozent ihr aktuelles Radfahrverhalten beibehalten. Auffällig ist: Menschen die seit Corona mehr Fahrrad fahren, wollen auch nach dem Ende der Pandemie überdurchschnittlich oft weiter in die Pedale treten. Diejenigen, die aktuell nicht so viel Fahrrad fahren, wollen das nach dem Ende der Pandemie wieder ändern.

40 Prozent glauben, die Politik sollte mehr für Radler tun

Könnte die Politik mehr für die Radfahrer tun? Davon sind vor allem die Vielfahrer überzeugt und jene, die seit Corona aufs Rad umgestiegen sind. Insgesamt gaben vier von zehn Umfrageteilnehmern an, dass von Seiten der Politik zu wenig unternommen werde, um den Radverkehr zu fördern. Vor allem AfD- und FDP-Anhänger, sowie Menschen, die selbst nie aufs Rad steigen, sind hingegen überdurchschnittlich oft der Meinung, dass die Politik zu viel für die Radfahrer tue.

Autos führen bei vielen zu Unsicherheit auf dem Rad

Gründe für die Menschen, das Rad doch eher stehen zu lassen, gibt es mehrere. Das größte Ärgernis sind laut Umfrage aber die Autos: 39 Prozent aller Befragten gaben an, sich wegen der vielen Autos auf dem Rad unsicher zu fühlen. Mehr als jeder Dritte ärgert sich zudem darüber, dass es keine ausreichenden Möglichkeiten gebe, um das Fahrrad sicher abzustellen. Über eine unübersichtliche Radwegeführung beschwert sich ebenfalls mehr als ein Drittel. Besonders genervt davon fühlen sich Jüngere, Menschen mit höherem Schulabschluss, Anhänger der Grünen und Einwohner von Großstädten.

Ein Anreiz, um häufiger aufs Fahrrad zu steigen, wären besser ausgebaute Radwege. 38 Prozent würden dann nach eigener Aussage das Fortbewegungsmittel eher wechseln. Noch höher liegt die Zahl beispielsweise bei Jüngeren, Menschen aus dem Osten Deutschlands und denen, die sowieso schon regelmäßig Fahrrad fahren.

76 Prozent der Vielfahrer sind auch der Meinung, dass Schnellradwege wichtig für ein gutes Radwegenetz sind. Dieser Meinung sind auch sechs von zehn Erwerbstätigen. Im Bundesdurchschnitt sehen das nur 54 Prozent so.

Baden-württembergischer Verkehrsminister sieht Aufforderung an die Politik

Der baden-württembergische Minister für Verkehr Winfried Hermann teilte mit: "Auch, wenn die Umfrage keine spezifischen Zahlen für Baden-Württemberg liefert, belegt sie, dass eine bessere Radverkehrsinfrastruktur zentral ist, damit mehr Menschen Fahrrad fahren und sich dabei sicher fühlen."

Die Umfrage sei eine Aufforderung an die Politik, in den kommenden Jahren noch mehr zu investieren und mehr sichere Radwege zu schaffen.

Auch ADAC und ADFC sehen Nachholbedarf bei Rad-Infrastruktur

Die Ergebnisse der SWR-Umfrage decken sich mit den Erfahrungen des Automobil-Clubs ADAC. Dort weiß man um die diversen "Baustellen" auf dem Gebiet. "Auch nach den Erkenntnissen des ADAC fühlen sich Fahrradfahrer im Straßenverkehr oftmals unsicher", kommentiert der Bundesverband die Ergebnisse der Umfrage. Man halte "deshalb den Ausbau der Rad-Infrastruktur in den Städten und auf dem Land für wichtig, um vor allem Lücken im Fahrradwegenetz zu schließen und dadurch die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern."