Freitag, 30. Januar 2026

Rückblick Critical Mass gedenkt im Januar Andreas "natenom" Mandalka: 30.01.2026 18 Uhr : 72 radelten mit

Rückblick Critical Mass gedenkt im Januar Andreas "natenom" Mandalka: 30.01.2026 18 Uhr : 72 radelten mit 

Schwacher Nieselregen über weite Strecken aber zum Glück kein Glatteis. Der Kronenplatz war bis kurz vor dem Start noch ziemlich überschaubar. Vielleicht 35 Unentwegte mit allen verschiedenen Arten von Fahrrädern. Zunächst umrundeten wir den Stadtgarten und auf dieser Umlaufbahn konnten wir noch einige einsammeln, sodass wir vor der Kundgebung dann auf 72 Teilnehmende angewachsen waren. Ein für dieses Wetter doch respektabler Wert. Von Menschen, die auch sonst bei jeden Wetter auf dem Fahrrad unterwegs sind. Denn das ist das entscheidende.
Dafür ist mit entscheidend, dass Fahrradfahrende auch ohne Gefährdung unterwegs sein können.
Gedacht wurde deshalb an einen Radler, der vor zwei Jahren um's Leben gekommen ist, ein Radler der sich unermüdlich für die Sicherheit des Radverkehrs eingesetzt hat.

Michael Reichert hielt an der Verfassungssäule am Rondellplatz die Gedenkrede.

„Am Dienstagabend hat sich auf der Landesstraße 574 bei Neuhausen ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Ein 43-jähriger Fahrradfahrer ist dabei noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen erlegen, so die Polizei in einer Pressemeldung.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen der Polizei befuhr der 43-jährige gegen 19.20 Uhr die Pforzheimer Straße von Neuhausen kommend in Richtung Schellbronn. Hinter ihm fuhr ein 77-jähriger Autofahrer.“ so schrieben es die Badischen Neuesten Nachrichten am nächsten Morgen auf ihrer Website.
Andreas, besser bekannt als Natenom starb bei eben jenem Verkehrsunfall am 30. Januar 2024. Und darum sind wir heute hier.

Er hatte in Pforzheim und Umgebung regelmäßig aufgezeigt, wie die Rechte
schwacher Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr ignoriert werden. Und
zwar nicht nur von motorisierten Verkehrsteilnehmern, sondern auch von
Verwaltung und Justiz.

In seinem Blog sind zahlreiche Fälle dokumentiert, die er – je nach
Schwere – als Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten angezeigt hat. Die
Bußgeldstelle hat Ausreden gesucht, um wegzuschauen. Eine Amtsrichterin
gab Rückendeckung. Ich selber war einer er beiden Zuhörer in der
Verhandlung.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe Außenstelle Pforzheim? Dort wurden
seine Strafanzeigen mangels öffentlichen Interesse nicht verfolgt.
Und damit ist er kein Einzelfall. Und auch die Staatsanwaltschaft
Karlsruhe ist damit kein Einzelfall. In ganz Deutschland stellen
Staatsanwaltschaften reihenweise Verfahren wegen Verkehrsstraftaten
„mangels öffentlichem Interesse“ ein.

Nicht bei jeder Anzeige ist eine Verfolgung sinnvoll. Manchmal ist die
Beweislage zu dünn, manchmal sind Ressourcen anderweitig sinnvoller
eingesetzt. Aber in der Masse und Gleichgültigkeit hat es System!
Denn es geht hier nicht nur um fahrlässige Körperverletzungen, weil
jemandem einen kleinen Moment nicht aufgepasst hat. Es geht um Fahrer
von Kraftfahrzeugen, die mittels engem Überholen, Ausbremsen, Abdrängen
und Gefährden ihre Ansichten durchsetzen wollen. Leute, die Radfahrende
mit Gewalt zeigen, wer der Herr der Straße sei.

Mit dieser Selbstjustiz stellen sie das staatliche Gewaltmonopol in
Frage. Und die Staatsanwaltschaften schauen weg. Dabei ist das
Grundprinzip, das für den Frieden in der Gesellschaft nicht verhandelbar
ist.

Selbstjustiz ist keine Lösung. Sie darf es für die Täter nicht sein und
sie kann es für uns noch viel weniger sein!

Aber ich möchte euch Mut machen. Zeigt weiter an. Lasst euch von
Polizeibeamten nicht davon abbringen, Straftaten anzuzeigen, wenn ihr
selbst euch nichts vorzuwerfen habt. Ihr seid die Opfer, nicht die Täter.

Auch in der Staatanwaltschaft arbeiten Menschen. In Karlsruhe werden ein
Drittel aller Fahrten mit dem Fahrrad zurückgegelegt. Damit ist
Radfahren nichts Verrücktes, sondern ganz normal. Es kann also auch
passieren, dass Staatsanwälte oder Richter selbst die Perspektive
Radfahrender kennen.

Und wenn dieselben Täter mehrfach auffallen, entsteht irgendwann auch
ein öffentliches Interesse.

Auf Reddit bat letztes Jahr jemand aus Neu-Ulm nach
Unterstützungsschreiben, damit eine fahrlässige Körperverletzungen
tatsächlich verfolgt wird. Die Person hatte Erfolg. Über 130 Schreiben
an die Staatsanwaltschaft Memmingen sorgten dafür, dass das Verfahren
wieder aufgenommen wurde.

Und wenn eure Anzeige erfolglos bleibt, dann macht das bitte öffentlich.
Meldet den Fall auf der Website keinoeffentlichesinteresse.org – ein
Wort, keinoeffentlichesinteresse.org. Dort werden solche Fälle
gesammelt, um das Wegschauen zu dokumentieren. Meldet bitte auch alte
Fälle – alle!

Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir viele sein. Viele
Betroffene, viele Fälle. Es muss klar werden, dass es sich nicht um
einzelne Querulanten handelt, sondern System hat und geändert gehört. So
kann politischer Druck ausgeübt und das Blatt gewendet werden!

Also noch einmal zum Mitschreiben: keinoeffentlichesinteresse.org"

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