Mittwoch, 2. September 2020

BNN 3.September 2020 Linke will Überblick und Leserbriefe

 

BNN 05.09.2020 Leserbrief

Angebot schafft Nachfrage


Veränderte Verkehrswelt: Die Pop-up-Radwege, die an den vergangenen Wochenenden an mehreren Stellen in der Innenstadt eingerichtet wurde, sorgten für Diskussionsstoff. Diese Aktion fand zwischen Stephanien- und Waldstraße statt. Archivfoto: Peter Sandbiller

Zur Ausweitung des Radverkehrs in Karlsruhe und zum Leserbrief „Autos werden vergrault“ vom 22. August:

Ein häufig gemachter Denkfehler in der Debatte um die Verkehrswende ist die Ignoranz gegenüber den sogenannten Pull- und Pusheffekten. Der Pulleffekt besagt, dass eine vebesserte Infrastruktur mehr Nutzer und Nutzerinnen anzieht, wohingegen der Pusheffekt besagt, dass eine eingeschränkte Infrastruktur Menschen zum Umstieg bewegt. Verkehrspolitische Maßnahmen haben also eine Lenkungswirkung, die leider auch von den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung viel zu oft nicht erkannt wird. Das ist übrigens keine Einzelmeinung, sondern in der Verkehrswissenschaft allgemein anerkannt. 

Ein glänzendes Beispiel für diesen Irrtum ist der Leserbrief von Daniel Hennings vom 22. August, in dem er behauptet, diese Aussage wäre falsch, denn „dann müsste es ja in Karlsruhe von Radfahrern regelrecht wimmeln“. Das stimmt so aber leider nicht – die Fahrradinfrastruktur in Karlsruhe ist nämlich noch nicht so gut wie es häufig behauptet wird. Im ADFC-Fahrrad-Klimatest wird Karlsruhe gerade einmal mit einer 3,15 bewertet. Dass wir damit immer noch das beste Ergebnis in ganz Deutschland erreichen, ist eher ein Armutszeugnis für die anderen Städte, als ein Lob für uns.

Um eine Stadt zu gestalten in der es von Fahrradfahrern regelrecht wimmelt, müssen wir genau das machen, was im letzten Jahrhundert unter dem Stichwort „autogerechte Stadt“ für die Autos gemacht wurde, nämlich eine möglichst effiziente und sichere Lenkung des Fahrradverkehrs auf entsprechend ausgebauten Wegen herstellen. Wichtig ist dabei auch die bauliche Trennung zu anderen Verkehrsteilnehmern wie Autos und Fußgänger.

Außerdem brauchen wir mehr Fahrradstraßen. Fast nirgendwo in der Stadt ist es so angenehm mit dem Rad zu fahren wie auf einer Fahrradstraße auf der keine Autos mehr unterwegs sind. Um so ärgerlicher ist es, dass wir in der Stadt nur einen Flickenteppich an Fahrradstraßen haben. Ein mittelfristiges Ziel für die Stadt sollte sein, ein Radstraßenraster herzustellen, wie es die Organisatoren der Pop-up-Radwege fordern, so dass man von A nach B fahren kann ohne die Radstraßen verlassen zu müssen.

Eine bessere und eigenständige Fahrradinfrastruktur und damit einhergehend mehr Radfahrer sind nicht nur deutlich besser fürs Klima und für die Gesundheit jedes Einzelnen, sondern bringt auch zahlreiche Vorteile für die Stadt mit sich, denn Fahrräder stoßen keine Schadstoffe aus, sind viel leiser als Autos und brauchen weniger Platz. 

Übrigens sind Radfahrer und Radfahrerinnen bessere Kunden für den lokalen Einzelhandel wie eine Studie aus London zeigt.

Deshalb brauchen wir jetzt einen Plan, wie wir von der autogerechten zu einer fahrradgerechten Stadt kommen.

Pawel Bechthold

Mitorganisator der Pop-up-Radwege

Karlsruhe-Nordstadt



BNN 03.09.2020

Linke will Überblick über Radwegeprojekte




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